Zum Herz-Jesu-Freitag

Ein Schatz aus alter Zeit (1909) ist uns in die Hände gefallen in Form eines Buches, groß wie ein Messbuch mit 598 Seiten, über die Herz-Jesu-Verehrung, mit dem wunderbaren Titel „Das goldene Herz-Jesu-Buch“. Nach der ersten Einsicht und Lektüre einiger Seiten kam uns der drängende Wunsch, den Inhalt dieses Buches nach zeitlicher und praktischer Möglichkeit unseren Lesern zugänglich zu machen. Schon die Einführung des Verfassers zu seinem Werk unter dem Titel „Zum Geleit“ lohnt sich zur Kenntnis zu nehmen, da er auf die Verehrung des heiligen Papstes Pius X. bezieht, um die Wichtigkeit seines Vorhabens, die Begründung und Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung zu begründen. Lesen Sie selbst

Zum Geleit

Unser glorreich regierender Heiliger Vater, Papst Pius X. ist ein besonderer Verehrer des heiligsten Herzens Jesu.
Er predigt in Wort und Schrift die Herz-Jesu-Andacht und gibt damit den Priestern und Bischöfen das beste Bespiel. Im Auftrage des Papstes hat im Juni 1907 Kardinal Respighi, Generalvikar von Rom, einen Aufruf an die Römer zur feierlichen Begehung des Herz-Jesu-Festes erlassen. Er sagt: „Jesus Christus ist nicht mehr gekannt, Jesus Christus ist nicht mehr geliebt, man studiert alles, nur nicht Jesus Christus. Deshalb ist es notwendig mit lauterer Stimme als sonst zum Heiland zu rufen, der sein heiligstes Herz geoffenbart und seine Kenntnis und Liebe mitgeteilt hat. Wie schön kann man in einem ganzen Monat die Kenntnis der Liebe des Herzen Jesu predigen! Welche Bekehrungen wären da zu erwarten! Welches Wachstum an Vollkommenheit, welche Reform, welche Erneuerung aller Dinge in Jesus Christus!“ Der Kardinal verlangt dann, dass seine Anordnung in allen Kirchen, Erziehungshäusern, Kollegien, Anstalten und Familien verbreitet und beherzigt werde. Ganz Rom möge beten, ganz Rom den Monat Juni feiern, „denn wir wollen, dass Christus siege, dass Christus herrsche, dass Christus triumphiere!“

Dem Herzenswunsche des Heiligen Vaters, die wahre Verehrung des allerheiligsten Herzen Jesu immer weiter zu verbreiten und zu vertiefen, soll auch unser „Goldenes Herz-Jesu-Buch“ dienen. Es soll uns anleiten, die vorzüglichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe im Dienst des allerheiligsten Herzen auszuüben. Deshalb haben wir da Buch in drei Teile eingeteilt. 1. „Herz-Jesu-Glaube“ oder: „Wir glauben an das Herz Jesu und verehren es.“ In diesem Teile lernen wir zunächst die Geschichte der Herz-Jesu-Andacht kennen, sodann was Gegenstand der Herz-Jesu-Andacht ist, ferner die Beziehungen des Herzens Jesu zum allerheiligsten Altarssakramente u.s.w. Der zweite Hauptteil handelt von der „Herz-Jesu-Hoffnung“ oder: „Wir hoffen auf das Herz Jesu und vertrauen darauf“, weil es das Herz des allmächtigen und allbarmherzigen Erlösers ist, der helfen kann und will, und der der seligen M. M. Alacoque noch besondere, große Verheißungen verkündet hat. Wir werden in diesem Teile an verschiedene Tatsachen, Beispielen, Erzählungen, Gebetserhörungen u.s.w. zeigen, wie das Herz Jesu in unzähligen Fällen wirklich geholfen hat, besonders in der Todesstunde. Im dritten Hauptteil behandeln wir die „Herz-Jesu-Liebe“ oder: „Das Herz Jesu liebt uns und wir lieben das Herz Jesu.“ Dabei werden wir den wahren Geist des Herzens Jesu kennen lernen, der uns beseelen soll, wir werden sehen, wie herrlich sich die Andacht zu Herzen Jesu in äußeren Denkmalen der Liebe und Verehrung und in innerer, übernatürlicher, idealer Betätigung der Seelenkräfte des ganzen Menschen äußert.

Wie haben hir nur einen kurzen Überblick gegeben. Das Nähere wird uns die Inhaltsangabe und das Goldene Herz-Jesu-Buch selbst sagen. Aber schon aus dem Angeführten können  wir sehen, wie vielseitige Gesichtspunkte bei der Herz-Jesu-Andacht in Betracht kommen. Unser Buch führ den einfachen Titel „Herz-Jesu-Buch“. Einfach und schlicht soll das Herz-Jesu-Buch alles, was über das Herz Jesu wissenswert ist, behandeln. Es soll in seiner Anlage und in seinen Grenzen ein vollständiger Herz-Jesu-Buch sein, für alle eine Stütze, für Fromme und Sünder, es soll all den Bedrängten eine Quelle des Trostes sein, es soll allen Gläubigen ein Pilgerstab zum ewigen Leben werden, indem es sie lehrt in die Schule des Herzens Jesu zu gehen, in der sie nie auslernen können, und sich in ihr immer mehr zu vervollkommnen. „Goldenes“ Herz-Jesu-Buch heißt vorliegendes Werk, weil sowohl der behandelte Inhalt „goldeswert“ ist, als auch der Verlag dem Buch eine „goldene“ d.i. herrliche Ausstattung gegeben hat.
Die benützten Literaturquellen werden wir am Ende des Buches angeben.
Möge das Goldene Herz-Jesu-Buch überall freundlichen Einlass finden und allen zum Segen sein für Zeit und Ewigkeit! Das wünscht
der Verfasser
Anton Steeger, Benefiziat. (Priester der Erzdiözese München-Freising)
Landshut a/Isar, 1909

Quelle: Anton Steeger: „Das goldene Herz-Jesu-Buch“.Verlag Eduard Mager, Donauwörth. Imprimatur 26.03.1909.