Zu Heiligkeit und Weltdienst berufen

 Apostolat

Recht und Pflicht zum Apostolat haben die Laien aufgrund von Taufe und Firmung. Seine Ausübung kennt keine Begrenzungen – weder Alter noch sonstige Lebensumstände können daran hindern, Menschen für Christus gewinnen zu wollen. Den gewöhnlichen Christen ist es dabei eigen, dieses Apostolat vor allem in Familie und Beruf und in ihren sozialen Beziehungen auszuüben. Ohne das Apostolat der Laien, dem das Konzil ein eigenes Dekret gewidmet hat, kann die Kirche ihre Sendung an manchen Orten nicht erfüllen, werden viele Menschen Christus gar nicht kennenlernen. Gerade das kapillare persönliche Apostolat, aber auch das gemeinschaftliche erhalten ihre eigentümliche Prägung durch die gewöhnlichen Weltverhältnisse. Diese verleihen ihnen eine besondere Wirksamkeit.

Als Voraussetzung verlangt das Konzil nichts Außergewöhnliches: das Bemühen um die Evangelisierung und Heiligung der Menschen und um die Durchdringung und Vervollkommnung der zeitlichen Ordnung mit dem Geiste des Evangeliums, die lebendige Vereinigung mit Christus, das Zeugnis eines christlichen Lebens sowie alle guten in übernatürlichem Geist vollbrachten Werke, die die Kraft haben, Menschen zum Glauben und zu Gott zu führen.

Dies erinnert an die Zeiten der ersten Christen: „Mission wird ohne sonderlichen Auftrag allein durch die Kraft des in der Taufe gegründeten Glaubens betrieben und geht in der Regel von jedem beliebigen Christen aus. Wir treffen auf Priester, aber die Laien sind in der Mehrzahl. Das Christentum sickert durch, es breitet sich im Bereich der Familie, der Arbeit und des persönlichen Umgangs aus. … Äußerst zutreffend ist der Begriff ,Ansteckung‘, den Tacitus und Plinius benützt haben, um die neue Religion und die Art ihrer Verbreitung zu charakterisieren: als Flüsterpropaganda von der Gattin zum Gatten, vom Sklaven zum Herrn wie vom Herrn zum Sklaven, vom Schuster zum Kunden, verborgen in kleinen Lädchen, wie es die Zeugnisse darstellen, die auf uns gekommen sind. … Erstaunlich an den Christen des 2. Jahrhunderts ist ihre Präsenz im Leben der Menschen, in den Läden und Werkstätten, in den Lagern und auf den öffentlichen Plätzen. Sie nehmen an wirtschaftlichen und sozialen Leben teil, sie sind in den Alltag verwoben und leben wie jedermann.“

Apostel zu sein ist immer möglich.

Thomas Mertz

 

Quelle: Aus dem Buch: Stets war es der Hund, der starb . . . – Die Kirche zur Jahrtausendwende – Gefahren, Irrwege und Perspektiven – MM Verlag – Aachen, 1999.