ZEHN GEBOTE FÜR ERZIEHER – Erstes Gebot

von Lisbeth Burger
1. Mit Gott fang an!
Mit Gott fang an, fahre fort und beende dein Werk! Wer ein Haus bauen will, der legt ein sicheres Fundament. Er weiß, daß all seine Arbeit und Mühe umsonst ist, wenn er nicht vor alle für einen guten, festen Grund Sorge trägt, eine Unterlage für das Ganze schafft, die allen Stürmen und Wettern, jeder Belastung standhält. Die wichtigste Lebensaufgabe der Eltern ist die richtige Erziehung ihrer Kinder. Wichtiger als Arbeit, als Vorwärtskommen, als Lohn und Gewinn, ja selbst als das tägliche Brot ist eine gute Erziehung. Alle anderen Güter des Lebens, die wir da genannt haben, sind eigentlich nur Mittel zum Zweck. Sie sind Hilfen, die uns die Erziehungsarbeit wesentlich erleichtern können. Wer keine gute Erziehung erhalten hat, dem hilft alles andere nicht viel. Wer aber eine solche von seinen Eltern mit ins Leben bekommt, der wird mit aller wechselvollen Schicksalsgestaltung fertig werden können. Er wird sich durchsetzen und sich nicht unterkriegen lassen. Daß ein Kind erzogen werden muss, wird heute kaum noch ein vernünftiger Mensch bestreiten. Die Zeiten sind vorbei, in denen man lehrte, die Eltern brauchten nur für Nahrung und Kleidung zu sorgen, dann entwickle sich der Mensch von selbst. Ein schlecht erzogener Mensch wird ein rücksichtsloser Flegel, ein schwächlicher Flaumacher, der anderen zur Last fällt, oder ein Lump in der so vielgestaltigen Art. Das ist Erfahrungssache. Unsere Kinder sollen aber ganze, brauchbare Menschen werden. Man spricht heute so viel von der Bekehrung der Gottlosen. Das geht aber nicht mit Verboten, mit Unterdrückung, mit Strenge. Damit ändert man bei Erwachsenen keine Gesinnung. Wir können der Los-von-Gott-Bewegung kein besseres Gegenmittel entgegenstellen als eine zielklare Hin-zu-Gott-Erziehung. Also legen wir einen guten, dauerhaften Grund, den denkbar besten und festesten: Gott selbst. Mit Ihm fangen wir unsere Arbeit an. Christliche Eltern sollten jeden Tag zum Heiligen Geist beten, damit sie ihr hohes Amt im Lichte seiner Gnade ausüben. Sie sollten jeden Tag zu den heiligen Schutzengeln beten, zu ihrem eigenen und zu dem ihrer Kinder. Engel sind Gottes Stellvertreter; sie sind eigens zu unserem Schutz, zu unserer Hilfe da. Warum rufen wir diese Hilfstruppen so selten herbei? Der Schutzengel unserer Kinder könnte uns oft einen guten, sichereren Rat geben, wie wir Charakterfehler bekämpfen und Gutes in die Seelen einpflanzen können, wenn wir ihn darum bitten würden. Er würde bestimmt das ausgestreute gute Samenkorn schützen und zur rechten Zeit zum Wachsen bringen. Eltern sollten jeden Tag zum göttlichen Kinderfreund gehen und ihre Kinder wenigstens in Gedanken mitnehmen. Und die liebe Gottesmutter, der heilige Joseph, die einst das liebste Jesuskind behüten und erziehen durften, werden sicher keinen Vater und keine Mutter umsonst beten lassen. Eltern können nie zuviel für ihre Kinder beten. Wir erziehen aber auch das Kind selbst zu einem recht lebendigen religiösen Leben. Gott ist die Autorität, die nie ins Wanken kommt. Gott ist die Größe, die jeder Kritik standhält. Durch Ihn hat jedes Gebot seine Macht. Einem Gebot des Schöpfergottes kann sich kein vernünftiger Mensch widersetzen, ob er es versteht oder nicht. Gott ist aber noch weit mehr: Er ist uns zugleich die Kraft, die gibt, daß wir das tun können, was Er verlangt. Er ist das Licht, das uns zeigt, wie wir recht handeln können. Er ist die große Liebe, die das kleinste gut vollbrachte Werk mit ewigem Lohn vergilt. In diesen ewig treuen Gott hinein legen wir alle Wurzeln unserer Erziehungsarbeit. Dann hat sie Bestand und wird den Kindern und uns selbst zum Segen. Liebe Mutter, warte nicht, bis hundert andere Dinge im Herzen und im Geiste deines Kindes sind. Schau, wir können uns die Seele so eines kleinen Menschenkindes vorstellen wie eine Schallplatte. Was zuerst eingegraben wir, sitzt fest und kann nie wieder verwischt werden. Sorgen wir, daß der liebe Gott den ersten Platz erhält. Wenn du gesegneten Leibes bist, dann bringe dein Kindlein doch recht oft zum göttlichen Kinderfreund! Lege es in der heiligen Kommunion recht innig in Seine Arme, daß Er es segne. Bestimmt wird Er es tun, wenn du als Mutter eigens deshalb zur heiligen Kommunion gehst, damit Jesus dein Kindlein unter dem Herzen segne. In dieser Zeit sollte dein Kleinstes schon anfangen, kommunizieren zu gehen, in dir und durch dich. Und bete auch in dieser Zeit schon zum Schutzengel deines Kindes. Er ist ja schon bei dir. Wie manche gute Anlage kann in diesen Monaten schon gestärkt, wie manche ungute in der weiteren Entwicklung behindert werden! Und zur lieben Gottesmutter trägst du dein Kindlein natürlich auch. So untertags, wenn du dir deines gesegneten Zustandes so recht bewusst wirst durch all die vielen Hemmungen, Schwierigkeiten, Übelkeiten, die der Zustand mit sich bringt, opfere sie bewußt dem lieben Gott für dein Kind auf. Bitte mit einem kleinen Stoßgebet um Seinen Segen für das liebe Kleine. Dann wird diese Zeit eine große Segenszeit auch für dich selbst sein. Schön ist die Familiensitte, daß der Vater jeden Tag der gesegneten Mutter ein Kreutzlein mit Weihwasser gibt: einen Segen für ihr Kind. Vielleicht bedarf es für viele Väter nur einer Anregung, daß sie es tun. Muss ein Kind nicht gut werden, wenn es schon vor der Geburt vom Vater gesegnet, von der Mutter zum göttlichen Kinderfreund getragen wird? Ist das Kleine dann glücklich da, so gib ihm zu dem ersten Mutterkuss auch gleich den ersten Muttersegen. Und nun falte jeden Morgen und jeden Abend die kleinen Hände in deinen Mutterhänden und sprich ein kurzes, herzliches Gebet über das Kind. Gib ihm ein Weihwasserkreuzlein dazu. Ob du da eines der alten, lieben Kindergebetchen sprichst oder ein paar Worte, wie sie dir Tag oder Stunde in den Mund legen, ist ganz gleich. Wenn nur gebetet wird. Wenn du so regelmäßig betest, wirst du bald bemerken, daß dein Kind von selbst die Händlein faltet und auf das Segenskreuzlein wartet, lange bevor es reden und mitbeten kann. Dann freue dich, die Saat geht auf! So erziehst du deine Kinder ganz von selbst zu einer rechten Haltung beim Gebet. Das darfst du nicht unterlassen. Wenn das Kleine anfängt zu gehen, kommt eine Zeit, in der es nicht mehr ruhig und still sein will Da musst du vielleicht einmal mit einem kleinen Klaps nachhelfen. Aber dulde nicht, daß es anfängt, für sich herumzutollen, wenn Gebetszeit ist. Bete kurz und gut mit deinen Kindern; aber achte dabei auch auf die rechte Haltung. So viel Ehrfurcht schulden wir dem lieben Gott. Man steht ordentlich, aufrecht, still und mit gefalteten Händen, wenn man nicht kniet. Man liegt nicht im Bett beim Beten (es sei denn, man ist krank) und bleibt auch dabei nicht faul auf einem Stuhl sitzen. Aber die Mutter und der Vater, die großen Geschwister und wer immer dabei ist, wenn Kinder beten, haben selbstverständlich diese andächtige Haltung auch einzunehmen. Die Mutter schöpft nicht schon die Suppe aus, und der Vater stopft nicht die Pfeife oder liest die Zeitung, während die Kinder beten. Das Kindergebet soll kurz und gut sein; wahr und klar, den wirklichen Verhältnissen angepasst. Nehmen wir die Kinder mit in die Kirche! Das kann schon geschehen, ehe sie zur Schule müssen. Ich sage nicht: Schicken wir die Kinder in die Kirche. Nein, nehmen wir sie mit. Daß Vater und Mutter selbst auch zum Gottesdienst gehen, gehört einfach dazu; sonst wird es bestimmt nur eine halbe Sache. Belehren wir unsere Kinder aber auch, wie man sich in der Kirche verhält. Man sieht heute so oft Kinder am Sonntag in der Kirche, die gar nicht wissen, wozu sie dort sind, weder Gebetbuch noch Rosenkranz mitbringen und rein gar nichts beten. Ein Kind muss dazu eine Anleitung haben. Und wenn du das Kleinste vorher mit dir gehen lässt, wird es an der Mutter schon sehen, wie man sich benimmt und was man tut, und ein wenig nachhelfen kannst du dann auch. Vor allem aber erzähle deinen Kindern vom lieben Gott, vom lieben Heiland, von der lieben Mutter des Heilandes, von den heiligen Engeln. Sprich mit ihnen von diesen Dingen so einfach und kindlich, wie es die kleinen Herzen fassen können. Lies selbst zuweilen in der Heiligen Schrift; dann weißt du wieder vieles zu erzählen. Mach deinen Kindern das Jesuskind, den Vater im Himmel recht vertraut und bekannt; dann werden sie gern für sie ein Opfer bringen, werden gern gehorchen, beten und brav sein. Suche besonders auch die kleinen Dinge des täglichen Lebens als Himmelsleiter zu benutzen, um zu Gott zu kommen: Sage den Kindern einmal, wenn ein Vöglein singt: „Das dankt dem lieben Gott, das betet sein Morgengebet auf seine Weise.“ Wenn du den Kindern das tägliche Brot zuteilst, sprich ihnen dazu einmal ein Wort vom Himmelsbrot für die Seelen, das uns der liebe Heiland gegeben hat. Wenn ihr einen weiten Kirchweg habt, erzähle ihnen vom Jesusknaben, der vier Tage zum Tempel mitwandern musste. Oder wenn dir ein Kleines bei der Arbeit helfen kann, sprich ihm davon, wie der Jesusknabe in Nazareth mit Joseph gearbeitet hat. Aber tu des Guten nicht zuviel! Hie und da, und immer in anderer Form, musst du so etwas an die Kinder heranbringen. Sonst verleidest du ihnen das religiöse Leben, statt es ihnen lieb zu machen. Und Unwahres darf dir nicht unterlaufen! Auch nicht in guter Absicht! Du darfst zum Beispiel nie sagen, wenn dein Kind etwa am Morgen nicht betet und ihm dann ein kleines Unglück passiert: „Das ist die Strafe dafür, daß du nicht gebetet hast.“ Wachse mit deinen Kindern, liebe Mutter! Geh mit ihnen in die Werktagsmesse, sobald sie zur Schule gehen oder sich auf die erste heilige Kommunion vorbereiten sollen. Geh mit ihnen zur heiligen Beichte, nimm sie mit zur heiligen Kommunion nach dem Weißen Sonntag. Man vermisst das immer noch so sehr, daß Eltern und Kinder nach der ersten heiligen Kommunion am Tisch des Herrn gemeinsam zu sehen sind, am Sonntag und am Werktag. Glaube es doch, das würde ein ganz anderes gemeinsames Leben, Arbeiten und gegenseitiges Helfen in der Familie sein, wenn katholische Eltern sich endlich dazu aufraffen würden, miteinander und mit ihren Kindern zusammen zur öfteren heiligen Kommunion zu gehen! Es ist nicht jeder Mutter gegeben, ihre Kinder schon ganz früh auf die heilige Kommunion vorzubereiten. Aber jede Mutter kann bei der allgemeinen Vorbereitung der Kleinen daheim mithelfen. Vor allem aber kann jede Mutter nach dem Weißen Sonntag ihre Kinder mitnehmen zum Heiland an die Kommunionbank. Das wäre der sicherste Weg, auch über die schwierigen Jahre der Entwicklung hinaus die Kinder treu in der Religion zu erhalten. Ein Mitleben des religiösen Lebens, nicht nur ein Mahnen; ein Mitgehen, nicht nur ein Hinschicken. Manche Eltern würden so mit ihren Kindern zusammen wieder richtig katholisch werden, zum Segen für sich selbst und für die Kinder.