Unterrricht für das Fest der hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus

Petrus, vorher Simon genannt, war ein Sohn des Jonas zu Bethsaida in Galiäa und ein Bruder des Andreas. Dieser führte ihn zu Christus, der sogleich seinen Namen ämderte und ihn Petrus hieß. Als Jesus bald darauf am See Tiberias zu beiden sprach: „Folget mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen,“ verließen sie ihre Netze und folgten Ihm nach. Von dieser Zeit an gab ihm Jesus fortwährend Beweise besonderer Liebe. Aus dem Schiffe des Petrus lehrte Er das andrängende Volk und versprach ihm, seine Kirche auf ihn, als einen Felsengrund, zu bauen, so dass die Hölle sie nicht überwältigen würde. Er hatte ihn bei der Erweckung der Tochter des Jairus, auf Tabor bei seiner Verklärung, im Garten Gethsemane im Anfang seines Leidens bei sich. Ihm versprach Er die Schlüssel des Himmelreiches, für ihn betete Er besonders, dass sein Glaube nicht aufhöre, und befahl ihm, seine Herde zu weiden. Petrus hatte sich aber dieser Vorzüge durch seinen lebendigen Glauben, seine Demut, seine Liebe und seinen Eifer für die Lehre Jesu vor anderen Aposteln würdig gemacht.

Nachdem er den Heiligen Geist empfangen hatte, bekannte er voll Mut Jesum den Gekreuzigten. Er verkündigte Ihn in Pontus, Galtien, Kappadocien, Jonien und Bithynien. Zu Jerusalem war er einst schon zum Tode bestimmt; allein ein Engel rettete ihn. Im Jahre 54 begab er sich nach Rom, von wo er nach neunjährigem Aufenthalt mit vielen anderen Christen vertreiben wurde. Nachdem er wieder zurückgekehrt war, wurde er in dem mamertinischen Kerker neun Monate lang gefangen gehalten und endlich am 29. Juni 66 nach Christi Geburt unter dem Kaiser Nero gekreuzigt, und zwar auf sein Verlangen mit dem Haupte nach unten, weil er sich unwürdig hielt, wie Christus zu sterben. Der hl. Petrus schrieb auch zwei herrliche apostolische Briefe, vorab an die Judenchristen, aber auch an sämtliche Mitglieder der Kirchen in Kleinasien, Pontus und Kappadocien, die er entweder gestiftet oder vermehrt hatte. Der erste Brief wurde im Jahre 62-63, der andere kurz vor seinem Martyrium verfasst.

Paulus, vor seiner Bekehrung Saulus genannt, war aus dem Stamme Benjamin, von Tarsus in Silicien gebürtig, und Schüler Gamaliels. Eifernd für das Gesetz, befeindete er die Christen. Als er, um sie zu verfolgen, nach Damaskus reiste, wurde er unterwegs von Christus bekehrt. Wie unermüdlich er nachher im Weinberg des Herrn gearbeitet, welche Beschwerden er auf seinen vielen Reisen, und welche Gefahren und Verfolgungen er erlitten hat, kann keine Feder beschreiben. Es ist beinahe unglaublich, wie eifrig  und beständig er Christus in Ketten und Banden, unter Schlägen und Geißelstreichen, in Hunger und Durst und in unzähligen Todesgefahren predigte. Dennoch war er so demütig, dass er sich für den geringsten unter den Aposteln hielt und Gott immer pries, dass Er ihn würdig achtet, für seinen Namen zu leiden. Nachdem er einen guten Kampf gekämpft, seinen Lauf vollendete, den Glauben allenthalben eifrig gepredigt und noch eifriger ausgeübt hatte, empfing er die Krone der Gerechtigkeit. Kaiser Nero lisß ihn am nämlichen Tage enthaupten, an dem Petrus gekreuzigt wurde. – In seinem Leben und nach seinem Tode wurde Paulus durch viele und große Wunder von Gott ausgezeichnet;  seine Schweißtücher, gleich dem Schatten des Petrus, Krankheiten geheilt und böse Geister ausgetrieben. Der hl. Paulus schrieb vierzehn Briefe an verschiedene von ihm gestiftete Kirchen und an mehrere Schüler.

Anm.: Im Sinne der Lesung der heiligen Messe des heutigen Tages — „Die Kirche betet ohne Unterlass für Petrus zu Gott, und ihr Gebet wurde erhört“ — beten wir ganz besonders für das Oberhaupt der heiligen Kirche, den Nachfolger des hl. Petrus, den Papst, dass Gott ihn wie den Petrus von seine Ketten befreie.

 

Quelle: „Unterricht für das Fest der hl. Apostelfürsten Petrus uns Paulus“, in Katholische Handpostille von R. P. Leonhard Goffine, Verlagsanstalt Benziger & Co. K.G. Einssiedeln. Vermutlich 1896, S. 359ff.