Nächstenliebe: Brüderliche Zurechtweisung

Die brüderliche Zurechtweisung ist ein Werk der Barmherzigkeit. Keiner von uns kennt sich selbst gut genug, keiner kennt gut genug seine Fehler. Und so ist es ein Akt der Liebe, dass einer dem anderen zu Vervollkommnung dient, damit wir uns gegenseitig helfen, uns besser zu erkennen, uns zu verbessern. Dieses große Werk der Barmherzigkeit, einander zu helfen, damit jeder wirklich seine Unversehrtheit, seine Funktionsfähigkeit als Werkzeug Gottes wieder findet, erfordert gewiss viel Demut und Liebe. Nur wenn es aus einem demütigen Herzen kommt, das sich nicht über den anderen erhebt, sich nicht als besser als der andere ansieht, sondern als einfaches Werkzeug, um einander zu helfen. Nur wenn man diese Tiefe und wahre Demut empfindet, wenn man fühlt, dass diese Worte aus der gemeinsamen Lieb kommen, aus der kollegialen Zuneigung, in der wir gemeinsam Gott dienen wollen, können wir in diesem Sinn durch einen großen Akt der Liebe einander helfen.

 

Quelle: www.papstbenediktxvi.ch – Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan, 3. Oktober 2005 – Marianische Liga – Verbandsorgan 13. Jg. / Nr. 1 (September 2011 – Sonderausgabe)