Maria geleitet ihre Diener in den Himmel

O welch herrliches Merkmal der Auserwählung haben die Diener Mariens! Die heilige Kirche legt die Anwendung des Verses im Ecclesiastikus auf die göttliche Mutter ihr zum Trost ihrer Verehrer die Worte in dem Mund: „Bei allen suchte ich meine Ruhe, und ich wollte bleiben im Erbe des Herrn.“  „Glücklich der“,  –  ruft Kardinal Hugo bei Erklärung dieser Stelle aus,  –  „in dessen Haus die allerseligste Jungfrau ihren Ruheort findet.“  Maria ist um der Liebe willen, die sie zu allen trägt, bemüht, in allen die Andacht zu ihr herrschend zu machen. Viele aber nehmen sie nicht auf, oder bewahren sie nicht Glückselig aber der, der sie aufnimmt und bewahrt. Ich will bleiben in dem Erbe des Herrn, d.h. in jenen, welche das Erbe des Herrn ausmachen.

Die Andacht zur allerseligsten Jungfrau bleibt bei allen denen, die zum Erbe des Herrn gehören, die nämlich im Himmel sein werden, ihn ewig zu lobpreisen. Auch die folgenden Worte legt die heilige Kirche der allerseligsten Jungfrau in den Mund: „Qui creavit me, requievit in tabrnaculo meo; et dixit mihi: in Jacob inhabita et in Israel haereditare et in electis meis mitte radices,“ d.h. mein Schöpfer hat sich gewürdigt, zu mir zu kommen und in meinem Schoß zu ruhen, und Er hat gewollt

daß ich wohne in den Herzen aller seiner Auserwählten,  welche in Jacob vorgebildet und mein Erbe sind; und Er hat angeordnet, daß in allen Auserwählten die Andacht und das Vertrauen zu mir Wurzel fasse.

O wie viele Selige würden jetzt nicht im Himmel sein, wenn Maria sie nicht durch ihre mächtige Vermittlung dahin geleitet hätte? „Ego feci in coelis, ut oriretur lumen indeficiens.“  Das heißt nach Kardinal Hugo: „Ich bewirke, daß am Himmel so viele als ewige Lichter ergänzen, als viele meine Verehrer auf Erden sind. Viele Heilige sin durch die Vermittlung Mariens im Himmel, die ohne sie nie dahin gelangt wären.“ Der Heilige Bonaventura sagt, daß sich für die Aufnahme aller, die auf Schutz Mariens vertrauen, die Pforte des Himmels öffne. Und der Heilige Ephrem nennt die Verehrung der Mutter Gottes den Eingang in das Paradies, „reseramentum Coelestis Jerusalem.“ Der fromme Blosius betet zu der allerseligsten Jungfrau mit den Worten: „Herrin, dir sind übergeben die Schlüssel und die Schätze des Himmelreiches.“  Darum müssen wir ohne Unterlass mit dem heiligen Ambrosius bitten: „Öffne uns, o Maria, die Pforte des Himmels, denn dir sind die Schlüssel anvertraut“, ja noch mehr, du bist nach den Gruß der Heiligen Kirche die Pforte des Himmels selber, Janua Coeli! Aus dem gleichen Grund wir Maria von der heiligen Kirche auch als Meerstern gegrüßt: „Ave maris stella;“ denn wie die Seefahrer, sagt der Heilige Thomas, nach den Sternen sich richten, um den Hafen zu gelangen, so werden auch die Christen durch Maria zum Himmel geleitet.

Der Heilige Fulgentius nennt sie die Himmelsleiter, denn durch Maria ist Gott vom Himmel auf die Erde gestiegen, damit durch sie die Menschen erlangten, von der Erde zum Himmel aufzusteigen. Und der Heilige Anastasius der Sinaite sagt: „O Herrin, du bist voll Gnade, auf daß du der Weg unseres Heiles und die Sorge zum himmlischen Vaterland seiest.“  Der Heilige Bernhard nennt die allerseligste Jungfrau den Wagen zum Himmel – Vehiculum ad Coelum;  ebenso der Heilige Johannes der Geometer mit den Worten: „Sei gegrüßt du herrlichglänzender Wagen,“ d.h. in welchem ihre Verehrer in den Himmel geführt werden. Dasselbe erklärte der Heilige Bonaventura, wenn er sagt: Selig alle, die dich o Mutter Gottes kennen; denn „dich erkennen ist der Weg zum unsterbliche Leben, und deine Tugenden verkünden ist der Weg zum ewigen Heil.“

In der Franziskaner-Chronik wird von Bruder Leo erzählt, er habe einmal eine rote Leiter gesehen, über welcher Jesus Christus stand, und eine zweite, weiße, über welche seine heiligste Mutter stand. .Die, welche auf der roten Leiter aufsteigen wollten, sah er einige Stufen ersteigen und dann hinabfallen und dies wiederholt. Vom Heiligen Franziskus ermahnt, an der weißen Leiter aufzusteigen, kamen sie glücklich in die Höhe, indem die allerseligste Jungfrau ihnen die Hand reichte, so daß sie sicher zum Paradies gelangen konnten.

Der Heilige Dionysius der Karthäuser fragt: „Wer wird selig werden? Wer einst herrschen im Himmel? Und antwortet: „Selig und im Himmel herrschen werden jene, für welche diese Königin der Barmherzigkeit sich verwendet.“ Dies bestätigt Maria selber:  „Per me reges regnant – durch mich herrschen die Könige.“ Durch meine Vermittlung herrschen die Seelen zuerst in dem sterblichen Leben auf Erden über ihre Leidenschaften, und dadurch gelangen sie zu unvergänglichen Herrschaft im Himmel, dessen Mitbürger alle, nach dem heiligen Augustinus, Könige sind. „Quot cives tot reges.“  Mit einem Wort: Maria ist, wie Richard von St. Lorenz sagt, die Gebieterin des Paradieses. „In Jerusalem potestas mea,“  indem sie dort befiehlt, was ihr Wille ist, und, wer in den Himmel kommt, durch ihren Willen hineingelangt. Abt Rupertur stimmt dem in den Worten bei: „Totum jure possidet filii regnum,“ d.h. da Maria die Mutter des Herrn des Himmels ist, so gebührt ihr nach Recht, die Herrscherin dieses Reiches zu sein.

„Diese göttliche Mutter hat uns durch ihre mächtigen Bitten und Hilfeleistungen den Himmel erlangt“, sagt der Heilige Antonin, wenn wir nur kein Hindernis setzen, so daß nach der Meinung des Abtes Guerricus, wer ihr dient und sie zur Fürsprecherin hat, des Paradieses so gewiß ist, als wäre er schon darin. Maria dienen und unter ihre Diener aufgenommen sein, ist die höchste Ehre, die wir haben können;  denn die Königin des Himmels dienen, ist im Himmel herrschen, und nach ihren Willen leben, ist mehr als königlich. Jene hingegen, welche Maria nicht dienen, werden nicht selig werden, denn wer die Hilfe dieser erhabenen Mutter beraubt ist, ist auch verlassen von der Hilfe ihres göttlichen Sohnes und des ganzen himmlischen Hofes.

Es sei allezeit hochgelobt die unendliche Güte unseres Herrn, nach dessen Ordnung Maria zu unserer Fürsprecherin im Himmel bestellt ist, damit sie als Mutter des Richters und als die Mutter der Barmherzigkeit mit gewissen Erfolg um das große Geschäft unseres Heiles als Mittlerin sich annehme. Das ist die Meinung des Heiligen Bernhard.

Der heilige Mönch Jakobus, ein Lehrer unter den griechischen Vätern, sagt, Gott habe Maria zur Brücke des Heiles bestimmt, auf der wir über den Wogen dieser Welt hinüber zum seligen Hafen des Paradieses gelangen können. Der Heilige Bonaventura ruft darum aus: „Hört, Völker, die ihr nach dem Himmel verlangt, dient Maria, ehrt sie und ihr werdet gewiß das ewige Leben erlangen.

Niemand darf verzagen, in das Reich der Seligen zu gelangen, selbst jene nicht, welche die Hölle verdient haben, wenn sie entschlossen sind, beharrlich dieser Königin zu dienen. „Wie viele Sünder“, sagt der Heilige Germanus, „haben gesucht, durch deine Vermittlung, o Maria, Gott zu finden, und sind heilig geworden!“ Richard von St. Lorenz bemerkt, daß es in der Offenbarung des hl. Johannes von Maria heißt:  „Auf ihrem Haupt war eine Krone von Zwölf Sternen;“ während im Hohenlied von ihr gesagt werde, sie werde gekrönt von wilden Tieren, Löwen, Leoparden. „Veni coronaheris . . . de cubilibus leonum, demontibus pardorum.“ Diese wilden Tiere, erklärt er, seien die Sünder, welche durch die Gunst und Verwendung Mariens zu Sternen des Himmel werden, die zu einer Krone für das Haupt dieser Königin der Barmherzigkeit geeigneter seien, als alle wirklichen Sterne des Himmels.

Von der Dienerin Gottes, Schwester Serafina von Capri, wird erzählt, sie habe während der Novene vom Mariä Himmelfahrt die allerseligste Jungfrau um die Bekehrung von tausend Sündern gebeten, sei aber danach in Angst geraten, als wäre ihre Bitte zu unbescheiden gewesen. Da erschien ihr die heiligste Jungfrau, verwies ihr die eitle Furcht und sprach: „Was fürchtest du? Bin ich nicht mächtig genug, von meinem Sohn die Rettung von tausend Sündern zu erlangen?“ und sie führte die Schwester im Geist zum Himmel, wo sie ihr unzählige Seelen zeigte, welche schon die Hölle verdient hatten, aber durch ihren Einsatz wieder gerettet wurden und nun der ewigen Seligkeit sich erfreue.

Wahr ist es, daß in diesem Leben keiner seines ewigen Heiles gewiß sein kann. „Der Mensch weiß nicht, ob er der Liebe oder des Hasses würdig sei, sondern alles wird als ungewiss für die Zukunft aufbehalten.“ Doch fragt David:“Domine, quis habitabit in tabernaculo tuo? – Herr, wer wird in deinem Zelt wohne?“ und der Heilige Bonaventura gibt als Erklärung die Antwort: „Lass t uns Sünder den Fußstapfen Mariens folgen, zu ihren heiligen Füßen uns werfen und nicht weichen, bis sie uns segnet;“ denn ihr Segen ist uns eine Versicherung des Himmels. „Es genügt, o Herrin“, sagt der Heilige Anselm, daß du unser Heil willst, weil wir dann unmöglich verloren gehen.“  „Die von Maria beschützten Seelen“, sagt der Heilige Antonin, „gelangen unfehlbar zur Seligkeit.“

Im Magnificat sprach die allerseligste Jungfrau lobpreisend die Worte: „Beatam me dicent omnes generationes – von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“, und der heilige Ildefons erwidert: „Js. Selig wird sie gepriesen, denn alle Auserwählten gelangen durch sie zur ewigen Seligkeit.“

Sie ist der Anfang, indem sie uns die Nachlassung der Sünden, die Mitte, indem sie uns die Gnade der Beharrlichkeit, das Ziel indem sie uns zuletzt den Himmel erlangt.  „Durch dich“, sagt der Heilige Bernhard, „steht der Himmel offen, durch dich wird die Hölle gemieden, durch dich ist da Paradies erneuert, durch dich ist mit einem Wort das ewige Leben allen Unglücklichen geschenkt, welche den ewigen Tod verdient hatten.“ Vor allem aber muß uns zur zuversichtlichen Hoffnung auf den Himmel die herrliche Verheißung erheben, Welche Maria selbst denen macht, die sie ehren, und vorzüglich jenen, die durch Wort und Beispiel beitragen, daß sei auch von anderen erkannt und geehrt wird.

„Qui operabunt in me, non peccabunt; qui elucidant me, vitam aeternam habebunt – wer in mir seine Werke tut, sündigt nicht; die mich ins Licht setzen, erhalten das ewige Leben.“  Glückselig nennt der Heilige Bonaventura jene, welche die Gunst Mariens erlangen. Sie sind schon jetzt von den Seligen als ihre Mitgenossen betrachtet, und wer das Zeichen eines Dieners Mariens Trägt, ist bereits in das Buch des Lebens eingeschrieben.

Wozu also sich lange mit den Meinungen der Schulen ängstlich abgeben, ob die Vorherbestimmung zur Herrlichkeit dem Vorherwissen unserer Verdienst vorangehe oder nachfolge? Und ob wir in das Buch des Lebens eingeschrieben sind oder nicht? Wenn wir nur wahre Diener Mariens sind und ihres Schutzes teilhaftig, dann gewiß stehen wir im Buch des Lebens;  denn Gott verleiht, nach dem Heiligen Johannes Damascenus, die Andacht zu seiner Mutter nur denjenigen, welche Er selig machen will. Dies scheint auch der Herr selbst ausdrücklich dem Heiligen Johannes geoffenbart zu haben: „Wer siegt . . . auf den will ich schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes.“  Wer siegen und selig werden soll, der wird den Namen der Stadt Gottes   in seinem Herzen eingegraben tragen. Wer aber ist diese Stadt Gottes, wenn nicht Maria? Der Heilige Gregor bezieht nämlich die Stelle Davids:  „Herrliches wird von dir gesagt, du Stadt Gottes,“  auf Maria.

Mit vollem Recht kann man also mit dem Heiligen Paulus sprechen: „Habens signaculum hoc, cognovit Dominus, qui sunr ejus,“  d.h. wer dies Siegel, nämlich die Andacht zu Maria, trägt, den erkennt Gott als ihm gehörend. Darum schreibt Pelbartus, die Andacht zur Mutter Gottes sei das sicherste Zeichen, daß man die ewige Seligkeit erlangen werde. Und der selige Alanus a Rupe sagt, wer die heiligste Jungfrau oft mit dem englischen Gruß verehrt, besitzt ein bedeutsamen Anzeichen seiner Auserwählung. Dasselbe behauptet er auch von der Beharrlichkeit im täglichen Gebet des Heiligen Rosenkranzes. Pater Nieremberg sagt ferner, daß die Diener der Mutter Gottes nicht bloß  besonders Abzeichen und reichere Zierden tragen werden, durch welche sie als zur Familie der Himmelskönigin und zu ihrer Dienerschaft gehörend  erkannt werden, durch welche sie als zur Familie der Himmelskönigin und zur ihrer Dienerschaft gehörend erkannt werden, nach den Worten in dem Buch der Sprichwörter: „Alle Diener ihres Hauses sind doppelt gekleidet.“

Die Heilige Maria Magdalena von  Pazzis sah mitten im Meer ein Schifflein, in welches sich alle Verehrer Mariens geflüchtet hatten, welche das Steuerruder führend, alle sicher zum Hafen geleitete. Die Heilige ward inne, daß jene, welche unter dem Schutz Mariens leben, mitten in all den Gefahren dieses Lebens vor dem Schiffbruch der Sünde und der Verdammnis bewahrt bleiben und sicher durch sie in den Hafen des Paradieses gelangen. Seien wir also bedacht, in dieses glückliche Schifflein des Schutzes Mariä einzugehen, um dort des Reiches der Seligkeit gewiß zu sein, wie die Kirche in den Tagzeiten Mariens singt: „Sicut laetantium omnium habitatio est in te, sancta Dei Genitrix – die Wohnung aller, die frohlocken, ist in dir, o heilige Gottesgebärerin.“

 

Quelle:  Die Herrlichkeiten Mariens – Hl. Alfons Maria von Liguori – Bischof und Kirchelehrer – Stifter des Redemptoristenordens – Hrsg. P. Klemens Kiser