Maria am Fuße des Kreuzes


Maria, unsere gute Mutter, am Fuße des Kreuzes: wie tief muss doch der Schmerz
in diesem so empfindsamen Herzen der Mutter Jesu gewesen sein, als sie diesen
lieben ganz zerschlagenen Körper sah und, aufmerksam, die herabfallenden
Fleischklappen und das vom Kopf zu den Füßen dieses heilige Leiden
herabrieselnde Blut betrachtete! Jede andere Frau als Maria wäre angesichts
eines so grausamen Schmerzes dahin gesunken; zu Recht wir diese gute Mutter die
tapfere Frau genannt, denn sie hält sich aufrecht am Fuße des Kreuzes, wo unser
Herr uns durch den Heiligen Johannes empfiehlt, indem er zu ihm sagt: „Frau,
sieh da Dein Sohn und Du Sohn, sieh da Deine Mutter.“
O Maria, in der Stärke Deines Schmerzes
und Deiner Prüfung bist Du meine Mutter geworden. Ich muß also ein großes und
vollständiges Vertrauen zu Dir haben; wenn ich unter dem Schlag der Prüfung
seitens der Menschen stehen und der Versuchung und der Betrübnis meiner Seele
ausgesetzt sein werde, werde ich in Deinem Herzen meine Zuflucht suchen, meine
gute Mutter, und Dich bitten mich nicht zugrunde gehen zu lassen, mir die Gnade
zu gewähren, in der Prüfung Deinem Beispiel unterworfen und voll Vertrauen zu sein,
mit Liebe zu leiden; dass ich, wie Du, am Fuße des Kreuzes aufrecht stehen und
auch an das Kreuz genagelt, wenn dies Deinem Sohn Freude macht.
Niemals kann ein Maria ergebenes Kind
zugrunde gehen; meine gute Mutter, hab‘ Erbarmen mit mir; ich gebe mich Dir
ganz und gar hin, daß Du mich Deinem lieben Sohn schenkst, den ich aus meinem
ganzen Herzen lieben will.
Meine gute Mutter, gib mir ein Herz,
das ganz für Jesus brennt.

Quelle: Notizbuch mit ganz persönlichen
Aufzeichnungen, von Bernadette Soubirous