Kennst Du das Wesen der Liebe?

Ehescheidung

Die moderne Ehe ist wie kaum je zuvor darauf angewiesen, dass sie nahezu ausschließlich durch die persönliche Liebe der beiden Menschen zusammengehalten wird. Über das Wesen der Liebe bestehen nun leider die abenteuerlichsten Missverständnisse. Jene falsche „Liebe“, die die Menschen heute zusammenführt, ist eben vielfach nicht wirklich Liebe. In so einer Ehe existiert daher von Anfang an nichts, was die beiden wirklich für immer zusammenhält, und so muss es zur Scheidung kommen.

Die rein sinnenhafte Liebe, der Sexus, ist keineswegs jene persönliche Liebe, die eine Ehe binden kann. Der Sexus berührt nur die Randschichten des Menschen aber nicht seinen innersten Kern. Der Sexus allein kann schon deswegen unmöglich die zwei Menschen aneinander binden, weil jedes rein sinnenhafte Verlangen eben immer nach Abwechslung sucht. – All die Ehen die unter „Liebe“ hauptsächlich das Sexuelle verstehen, müssen daher  früher oder später scheitern. Besonders gefährdet in ihrer Ehe sind daher alle sexuell unbeherrschten, sexuell süchtigen Menschen. Sie wählen ihren Partner nach sexuellen Gesichtspunkten. Sie sind unfähig zur wirklichen geistigen Liebe. – Auch die Früheren sind aus diesem Grunde sehr gefährdet: Der zu junge Mensch kann eben noch nicht hinreichend unterscheiden zwischen der sinnenhaften und der geistigen Liebe.  Ein Drittel (!) dieser Frühehen wird daher geschieden.

Viel tiefer als der rein sinnenhafte Sexus vermag die geistige Liebe zwei Menschen zu verbinden. Wenn ein junges Mädchen den jungen Mann liebt, weil es ihn als wertvollen Menschen erkennt, voll Charakter, Treue, Beherrschung, beruflicher Tüchtigkeit usw., so ist das ohne Zweifel eine geistige Liebe. Aber auch dieser Liebe fehlt etwas: Sie ist nämlich nur eine Liebe des Begehrens.(Die alten Griechen haben jene Liebe des Begehrens den „Eros“ genannt.) Sobald man am anderen die Fehler und Schattenseiten bemerkt, wird das begehren geschwächt; man ist enttäuscht; die „Liebe“ erkaltet. Auch diese anfangs begeisterte Liebe des Eros ist daher keine  tragfähige Grundlage einer dauernden Ehe; denn früher oder später erkennt man an jedem  Menschen Mängel, Defekte und oft sogar tiefgehende Wunden. Wenn dann die zwei Menschen mit Erschrecken entdecken, dass ihr „Eros“, ihre Liebe zum anderen, plötzlich erkaltet, dann meinen sie, dass nun die Ehe entzwei ist. Sie verstehen nicht das Wesen der echten und vollen Liebe.

Jesus meint eine ganz andere Liebe als Grundlage jener Ehe, von der er sagt: „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“ Jesus beschreibt das Wesen jener Liebe durch den Schlichten Satz: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“ Wann glaubst Du, dass Dich jemand liebt? Doch dann, wenn er für dich sorgt, um Dein Wohl besorgt ist, wenn er Dir sogar Deine Fehler verzeiht und Dich mit allen Zeichen einer Zuneigung beschenkt. Diese Liebe ist offenbar mehr als rein sinnenhafter Sexus. Sie ist auch keine Liebe des bloßen Begehrens, sondern eine Liebe, die den anderen beglückt, eben weil sie  Liebe ist. Die Griechen haben diese Art der Liebe die „Agape“ genannt. Die Christen nannten diese Art der Liebe Caritas, sie meinen damit jene sorgende Liebe, die das Wohl der anderen will.

 Quelle: Die 10 Gebote Gottes – Dr. Herbert Madinger – Auflage 1992 – Erzdiözese Wien – Kath Glaubensinformation –

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