Johann Kaspar Kratz, Märtyrer

Hanskasper Kratz

Hanskasper Kratz war lustig und trübselig, ulkig und ernst, wendig und windig, bescheiden und prahlerisch, nachlässig und tatkräftig. So war Hanskasper Kratz, und wer nach dieser Beschreibung bei ihm auf einen Rheinländer tippt, der hat recht geraten. Aus dem Namen Hanskasper, was eigentlich Johann Kasper heißen soll, kann man ferner schließen, daß der Namensträger nicht weit vom Kölner Dom geboren sein muss, denn in diesem herrlichsten Gotteshaus am Rhein haben die Heiligen Drei Könige Kasper, Melchior und Balthasar die letzte Ruhestätte gefunden.

Zu Golzheim bei Düren stand Hanskaspers Wiege, auf einem Bauernhof, der einmal ein großes Gut war, mit der Zeit aber kleiner und kleiner wurde, so daß schließlich nur wenig Land übrigblieb, das nach dem frühen Tod des Vaters eine Herzliebe Mutter mit vieler Mühe und immerwährender Sorge für den Unterhalt der Familie bewirtschaftete.

Fünfjährig musste Hanskasper bereits das Vieh hüten. Eigentlich aber war es Karo, der Hund, der das Viehüten besorgte, denn der Hütebub selbst schnitzte sich im Frühling Weidenflöten, und im Herbst briet er Kartoffeln im offenen Feldfeuer. Mit acht Jahren musste Hanskasper der Mutter auf dem Acker helfen, und weil er nicht sehr sorgfältig schaffte, kam er auch schnell mit der Arbeit weiter. Vor den Alterskameraden protzte er dann mit dem was er alles könne. Überhaupt würden sie später noch Augen machen, wenn sie erführen, was Großes aus ihm werde.

Der Mutter lag der Bub ständig in den Ohren mit der Bitte, sie solle ihn studieren lassen, denn er wolle Priester werden, und halbwegs war es ihm sogar ernst mit diesem Wunsch. Kurz und gut, eines Tages saß Hanskasper in der Lateinschule zu Düsseldorf. Weil er aber der Meinung war, daß das Lernen im Vergleich zu der bisherigen harten Bauernarbeit nur Spielerei sei, betrieb er denn auch das neue Gewerbe spielerisch und fiel bei der Prüfung am Ende des ersten Schuljahres durch, so daß er die Klasse zweimal machen musste. Diese an sich betrübliche Tatsache wirkte sich indessen sehr segensreich aus, denn Hanskasper entschloß sich daraufhin, mit seiner Sache ernst zu machen, und wurde ein prächtiger Student.

Da kam ein Reicher Herr zu Hanskasper und fragte an, ob er wohl sein Reisebegleiter werden wolle. Natürlich sagte der Gefragte mit Freuden zu, und in den folgenden sechs Jahren wanderte der rheinische Jungmann mit offenen Augen und Ohren durch die weite schöne Gotteswelt, nach Italien, Spanien, Portugal und Frankreich. Schnell lernte er auch die Sprachen, die in diesen Ländern gesprochen wurden. Es war ein schönes Leben, das Hanskasper damals führte. Aber dann kam wie über jeden Kölner, der in der Fremde weilt, auch über ihn mit Macht das Heimweh, und heimgekehrt war dem Weitgereisten die Heimat wieder zu eng.

Kaum hatte nämlich Hanskasper der Mutter und den Alterkameraden, die mit Ohren, Augen und Mund zuhörten, seine Reiseerlebnisse geschildert, da war er auch schon wie der Wind wieder fort. Der fahrtenfreudige Junge Mann trat bei den Holländern, die ihn wegen seiner vielseitigen Sprachkenntnisse gern annahmen, als Offizier in Dienst, und bald fuhr er auf wackligem Schiff in siebenmonatiger gefahrvolle Reise genau dorthin, wo der Pfeffer wächst, nämlich nach Ostindien in die holländische Kolonie auf der Insel Java.

Das neue abenteuerliche Leben war ganz nach Hanskaspers Geschmack. Mit Lust versah er den Dienst, war wegen seiner rheinischen Aufgeräumtheit bei den Kameraden beliebt und stand bei den Vorgesetzten in Gunst. Nur das gefiel ihm nicht, daß es auf Java nicht einen einzigen katholischen Priester gab, denn die Holländer waren als strenge Kalvinisten den Katholiken spinnefeind und duldeten in den Kolonien weder katholische Priester noch katholischen Gottesdienst. Da endlich erwachte in Hanskasper Kratz der Katholik, der bisher in ihm geschlafen hatte, und er entwickelte sich allmählich zu einem Laienpriester, der die Katholiken auf der Insel um sich sammelte, mit ihnen betete und ihnen im Sterben auf katholische Weise beistand.

Bei dieser Tätigkeit regte sich in Hanskasper erneut der Wunsch nach dem Priestertum. Deshalb quittierte er den Dienst, ging nach China, trat dort in den Jesuitenorden ein, empfing die heilige Priesterweihe, feierte mit unsagbarer Freude das erste heilige Opfer, ging in die Mission und erlitt mit drei Gefährten am 12 Januar 1737 im Alter von kapp vierzig Jahren den Martertod um des katholischen Glaubens willen. Solch merkwürdige Wege führte Gott den Rheinländer Hanskasper Kratz bis zum glorreichen Martertod.

Quelle: Kinder und Hauslegende – Die Heiligen im Messbuch der Kirche – P. Robert Quardt SCJ – Verlag Herder – Freiburg im Breisgau, 1954

Bild: Gedenktafel beim Schulhaus in Golzheim
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