Hl. Theresia von Lisieux – Kindsein vor Gott

Auf die Frage, was sie darunter verstehe: “vor Gott ein kleines Kind bleiben”, antwortete die hl. Theresia von Lisieux einmal:

Es
bedeutet, sein Nichts anerkennen, alles von Gott erwarten, so wie ein
kleines Kind alles von seinem Vater erwartet. Es bedeutet, sich über
nichts Sorgen machen, sich keine besonderen Verdienste ansammeln wollen.
Sogar bei den armen Leuten gibt man dem Kind alles Notwendige. Sobald
es aber erwachsen ist, lehnt sein Vater es ab, länger für es aufzukommen
und erklärt ihm: “Arbei te jetzt, du kannst nun für deinen Unterhalt
selbst sorgen.” Nun, um das nie (von Gott) hören zu müssen, wollte ich
nicht größer werden, denn ich fühlte mich unfähig, mir mein Leben, mein
ewiges Leben selbst zu verdienen. Daher bin ich immer klein geblieben
und habe keine andere Beschäftigung, als Blumen zu pflücken, die Blumen
der Liebe und des Opfers, und sie Gott zur Freude anzubieten. Klein
bleiben bedeutet darüber hinaus, sich nicht selbst die Tugenden
zuschreiben, die man praktiziert, als halte man sich zu irgend etwas
fähig, sondern anerkennen, dass Gott diesen Reichtum in die Hände seines
kleinen Kindes legt, damit es sich dessen bedient, wenn es seiner
bedarf. Aber immer bleibt es Gottes Reichtum. Endlich bedeutet es, sich
nicht wegen seiner Fehler entmutigen lassen, denn Kinder fallen oft,
aber sie sind zu klein, um sich schwer zu verletzen.