Herz-Jesu-Verehrer vor der hl. Margareta Alacoque – IV.

Der Heilige Ignatius von Antiochien

Nachdem wir den Jünger der Liebe als innigen glühenden Verehrer des Herzens Jesu kennen gelernt haben, ihn, der am liebeflammenden göttlichen Herzen beim Abendmahle geruht, und dem der göttliche Meister die Geheimnisse seines süßesten Herzen erschlossen, gehen wir auf seinen Lieblingsjünger, den hl. Ignatius über. Er wurde vom hl. Petrus zum Bischof von Antiochien eingesetzt. Unter Kaiser Trajan sollte der Heilige Christum, seine einzige Liebe und sein Alles verleugnen und wurde ihm im Weigerungsfalle vom Kaiser mit dem Tode gedroht. Aber wie sollte den von himmlischer Liebe zu Jesus begeisterten Gottesträger eine solche Drohung schrecken, ihn, der kein größeres Glück kannte, als nur recht bald mit seinem Jesus vereinigt zu sein, der als er das erste Brüllen der Löwen hörte, von denen er im Amphitheater in Rom zerrissen wurde, voll der frohesten Sehnsucht laut ausrief: „Roms Bürger! Mich hat die Begierde, mich mit Christus zu vereinen, von der mein ganzes Herz erglüht, hierher gebracht. Ich bin ein Getreide Christi und will von den Zähnen der wilden Tiere zermalt werden, auf dass ich als reines Brot erfunden und würdig werde, vor seinem Angesicht zu erscheinen.“
P welche Liebe gegen das göttlichen Herz Jesu hat das Herz dieses großen Heiligen Schülers des Liebesjünger erfüllt!
Auf seinem Weg nach Rom, zum Martertode schrieb er an die Gläubigen zu Tarsus: „Ich werde nach geführt nicht von Soldaten, sondern von wilden Tieren, so viel Übles fügen sie mir zu: Doch all diese Leiden bringen mich nicht außer Fassung, ich verachte sie und alles, eas noch weiter tun kann, wenn ich nur Jesus sähe, meinen Erlöser und meinen Gott, der für mich gestorben ist.“
An die Christen zu Trattes schrieb er: „Wegen der Liebe zu Jesus Christus bin ich mit Fesseln belastet: ich bin seiner noch nicht würdig, aber, wenn ich all mein Blut vergießen und zu seiner Ehre sterben kann, so werde ich diese Gnade verdienen.“
An die Gläubigen zu Ephesus: „Das einzige Vergnügen, das wir in diesem Leben haben können, ist, Christus lieben und uns mit seinem Geiste erfüllen, damit wir in ihm das wahre Leben finden und außer ihm keinen Gnadenzug mehr tun. Er ist meine Hoffnung, mein Ruhm, mein unerschöpflicher Reichtum. Für und seinetwegen trage ich von Syrien bis Rom die Fesseln, die ich wie kostbare Bande achte.“
Den Römern zeigte er seine Ankunft mit den Worten an: „Ich schreibe allen Kirchen, dass ich gerne für Jesus Christus sterbe; ich bitte euch mir kein Hindernis zu bereiten und  nicht die Wut der grausamen Bestien zu besänftigen, die mich verschlingen sollten. Ich werde sie selbst reizen, wenn sie ihre natürliche Wildheit vergessen sollten. Möge Feuer und Kreuz über mich kommen, mag mein ganzer Leib zermalmt, meine Glieder auseinander gerissen werden , das erachte alles für nichts, wenn ich nur Jesum gewinne. Ich schreibe euch voll Begierde, zu sterben für meine gekreuzigte Liebe, ist meine Lust; ja glaubet mir, ich liebe Jesus, meine gekreuzigte Liebe!“
Diese Worte bestätigte Ignatius mit dem Martertod. Er ging (in Rom) mit lächelnder Miene, voll unaussprechlicher Freude ins Amphitheater, denn dort wollte er ja für Jesus Christus, für seine Liebe sterben; dort wollte er ihm den Beweis seiner Gegenliebe geben, wonach er so sehr verlangte.
Kaum im Amphitheater eingetreten, da stürzten schon die wütenden Löwen sich auf ihn und zerrissen ihn, und es schied seine heilige Seele von hinnen, um für alle Ewigkeit am göttlichen Herzen, der gekreuzigten Liebe zu ruhen, und in himmlischer Liebe und Seligkeit sich dort zu erfreuen.
Ignatius, dessen Fest wir am 1. Februar feiern, ist ein wahrhaftes Vorbild einer opferwilligen, heldenmütigen Liebe gegen das göttliche Herz Jesu.
Diese Verehrung des göttlichen Herzens Jesu, in der Verehrung und Liebe seiner Gottheit, war in allen Jahrhunderten Lebendig. Der hl. Augustinus und viele andere Heilige sind Beispiele und Zeugnisse dafür.
Aber erst vom 11. und 12. Jahrhundert an (bis zu den Zeiten der sel. M. M. Alacoque) finden wir so eigentlich die direkten Vorläufer und Vorboten der Verehrung des göttlichen und liebreichsten Herzens, wie wir sie heutzutage finden.
Wie in der Natur so gibt es auch im Reiche der Gnade nach der gewöhnlichen Ordnung der Dinge kein unvorbereiteten Tatsachen und Erscheinungen, keine plötzlichen und unvermittelten Übergänge. Es steht alles in organischen Zusammenhang und entwickelt sich allmählich aus zarten Kleinen und schwachen Anfängen bis zur herrlichen Blüte und vollgereiften Frucht.
Auch die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu erschien also nicht, wie ein Meteor am nächtlichen Himmel, urplötzlich in der heiligen Kirche; während der Zeiten , die ihrer (direkten) Einführung und Verbreitung vorausgingen, wurde sie längst schon vorgesehen und vorbereitet.
Wie wir gesehen, reicht die Andacht zum Herzen Jesu bis in die ältesten Zeiten der Kirche, ja bis zum Wandel des Erlösers auf Erden zurück, aber erst die zwei heiligen Benediktinerinnen Gertrud und Mechtild haben das Herz des Erlösers zu einem besonderen Gegenstande ihrer Verehrung gemacht.
Wie der Ersteren „Gesandter der göttlichen Liebe“, so ist der Letzteren „Buch der geistlichen Gnaden“ voll der innigsten Gebete und der rührendsten Übungen der Frömmigkeit zum Herzen Jesu, die der Geist Gottes sie gelehrt.
So nützlich und ansprechend erschien der hl. Gertrud diese Andachtsübung, so tief und klar hat sie die Schätze des göttlichen Herzens erkannt, dass sie den hl. Johannes in einer ihrer vielen Visionen fragte, warum er, da er doch beim letzten Abendmahle an der Brust des Herrn geruht, so wenig von seinem heiligsten Herzen gesagt und geoffenbart habe.

(Fortsetzung folgt)

Quelle: Anton Steeger: „Das goldene Herz-Jesu-Buch“. Verlag Eduard Mager, Donauwörth. Imprimatur 26.03.1909.