Herz-Jesu-Verehrer vor der hl. Margareta Alacoque – III.

Der hl. Apostel und Evangelist Johannes

Und wen sollen wir mit größerem Recht als dritten Herz-Jesu-Verehrer bezeichnen als den hl. Johannes den Evangelisten, den Vorkämpfer der Gottheit Jesu, den Jünger seiner Liebe, der leiblich und geistig an der Brust des Herrn Jesu ruhte. Daher sagt die Kirche in ihren Tagzeiten von ihm: „Er trank aus der Quelle selber, aus dem Herzen des Herrn den vollen Strom des heiligen Evangeliums, das ist der Wahrheit und Gnade, wie der Liebe Jesu;“ und was er trank, das hauchte er aus – wie der hl. Augustinus sagt – in seinem herrlichen Evangelium, das er geschrieben hat zur Verteidigung des Glaubens an die Gottheit Jesu, zur Verherrlichung der Liebe Jesu, in der Erzählung seiner Wundertaten.
Und wie der Geist und die Lehre, so waren auch das Leben und die Liebe des hl. Johannes dem Leben und der Liebe seines Meisters gleich geworden. Denn ihm galt der Grundsatz: „wer da sagt, er bleibe in ihm (in Christus), der muss auch so wandeln, wie Christus gewandelt ist.“ (1 Joh 2,16) Darum wurde er arm mit dem armen Meister, und zog, wie er, umher, lehrend, Sünder bekehrend, Kranke heilend. Er wanderte als Apostel in die Welt hinaus, um das Wort der Wahrheit zu verkünden. Sein Meister führte ein jungfräuliches, göttlich-reines Leben; und Johannes war seiner Unschuld wegen der bevorzugte Liebling des Herrn. Der Meister brannte vor Liebe für seinen Nächsten und stellte als das unterscheidende Merkmal seiner Schüler die Nächstenliebe auf und Johannes drängte die ganze Lehre des Christentums auf die Liebe zu unserem Nächsten zusammen; denn, sagte er, wenn wir uns gegenseitig lieben, dann bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollkommen. (1 Joh 4,12) Und wenn er sich in seinen alten Tagen von den Händen seiner Jünger in die Gemeinde zu Ephesus tragen ließ und nicht mehr vermochte, eine lange Ansprache zu halten, so pflegte er nichts anderes zu sagen, als: „Kindlein, liebet einander!“
Als die Brüder dieser Rede überdrüssig wurden und ihn einmal fragten: „aber Meister, warum sagst du uns immer dasselbe?“, so gab er die schöne Antwort: „weil es der Herr gesagt hat, und wenn dies geschieh, so ist es genug.“ Wie endlich sein Meister als guter Hirte auszog, die Sünder, die verlorenen Schäflein, zu suchen, so schlug auch in der Brust des Schülers ein Hirtenherz, so mitleidig und gut.
Und wenn wir dem Verlauf der Kirchengeschichte weiter nach gehen, so werden wir  seit den ältesten Zeiten unter den Kirchenlehrern und den Heiligen so manche finden, die von dem Herzen Jesu Meldung tun.
Wenn sie ihrem Glauben an die Gottheit Jesu, ihrem Staunen über die Liebe Jesu in begeisterten Worten Ausdruck geben, so nennen und bezeichnen sie nicht selten mit ausdrücklichen Worten das Herz Jesu als den Sitz und das Heiligtum der Gottheit, als die Sonne und den Feuerherd der Liebe. Damit wir einen einigermaßen übersichtlichen Überblick über die Verehrung des Herzens Jesu gewinnen, und den Zusammenhang aus den ältesten Zeiten gewinnen, um den innigen Glauben an da Herz Jesu in der Geschichte der Kirche und der Heiligen kennen zu lernen und unseren schwachen „Herz-Jesu-Glauben“ mehr anzufachen und im christlichen Leben praktisch zu gestalten, wollen wir im Folgenden mehrere besonders eifrige Herz-Jesu-Verehrer bis zu den Zeiten der seligen Margaretha Alcoque anführen.

(Fortsetzung folgt)

Quelle: Anton Steeger: „Das goldene Herz-Jesu-Buch“. Verlag Eduard Mager, Donauwörth. Imprimatur 26.03.1909.