Herz-Jesu-Verehrer vor der hl. Margareta Alacoque – II

Der hl. Joseph

Als zweiter Verehre des heiligsten Herzens komm selbstverständlich der hl. Joseph in Betracht. Als die göttliche Vorsehung und die höchste Weisheit das Herz der allerseligsten Jungfrau Maria im voraus nach dem Herzen des göttlichen Kindes, das noch geboren werden sollte, schuf und bildete, da ergoss sie auch über die Seele des hl. Joseph von Beginn seines Lebens an einen solchen Strom von Gnaden, dass sein Herz, soweit dies bei eine Geschöpf möglich ist, dem anbetungswürdigen Herzen Jesu ähnlich wurde. Und die Ähnlichkeit trat immer stärker hervor, als das Wort Gottes in Menschengestalt erschien und dreißig Jahre lang für den demütigen Zimmermann das Vorbild der Tugend und der Lehrmeister der Vollkommenheit war. Der getreue Jünger wurde dadurch das Vorbild der innerlichen Seelen und das nachahmungswürdigste Beispiel eines in Gott verborgenen Lebens.
Was die stete Einwirkung des göttlichen Herzens Jesu für den hl. Joseph bedeutet, gibt uns die Heilige Schrift an zwei Stellen zu verstehen. Nur einige Augenblicke ruhte das göttliche Herz Jesu im Tempel am Herzen des greisen Simeons – nur einige Augeblicke, und doch welche Freude brachte es ihm! „Nun entlässt du deinen Diener in Frieden,“ rief der fromme Greis begeistert aus; denn wer das Herz seines göttlichen Herrn besitzt, der braucht nichts mehr. – Beim letzten Abendmahle ruhte der hl. Johannes auch nur einige Augenblicke am Herzen seines göttlichen Meisters und die Wirkung war eine solche, dass sein Herz von grenzenloser Liebe entzündet und sein Geist wie ein Adler zu den höchsten Höhen der Anschauung Gottes entrückt ward.
Zu Bethlehem aber, in der Wüste, in Ägypten und zu Nazareth ruhte ohne Zweifel das göttliche Jesuskind lange Stunden am Herzen des hl. Joseph, denn Jesus selbst hatte ja die Einigung der Herzen in der heiligen Familie von Nazareth veranlasst: die Einigung seines göttlichen Herzens mit dem seiner heiligsten Mutter und dem seines Nährvaters hier auf Erden. Alle Güter waren ihnen gemeinsam, also auch das kostbarste der kostbaren Güter, die Liebe des Herzens Jesu. Und dieses Glück währte dreißig Jahre! Die Gnaden des folgenden Tages waren immer noch kostbarer als die der vorhergehenden. Wenn wir auch die rührende Geschichte jener Heiligen, des Simeon und des hl. Apostel Johannes, die der göttliche Heiland mit seinen Gnaden gleichsam überhäufte, mit Bewunderung lesen, so müssen wir doch bekennen, dass sie dem hl. Joseph nicht gleichkamen und nicht den selben Anspruch machen konnten auf die Liebe des göttlichen Herzens.
Niemand kann sich also nach Maria, der Mutter Jesu, einer größeren inneren Vereinigung mit Jesus rühmen als der hl. Joseph. Freilich war der Unterschied zwischen beiden Herzen unendlich groß; aber mit Ausnahme jener heiligsten Jungfrau, die über alle Engel und Menschen erhöht ward, erhielt sonst niemand von dem unglücklichen Geschlechte Adams zum Erbteil ein solches Herz und keiner bildete es zu einer solchen Ähnlichkeit mit dem Herzen Jesu aus wie der arme Handwerke von Nazareth. Darum sage ich auch mit Recht: Wenn man de Ausspruch des hl. Bernhard: „Der hl. Joseph, den der Herr als einen Mann nach seinem Herzen befunden hat“, keineswegs übertrieben nennen darf, so darf uns auch niemand tadeln, wenn wir den hl. Joseph besonders gerne anrufen unter dem Titel: „Vorbild und Patron der Verehrer des heiligsten Herzens!“

(Fortsetzung folgt)

Quelle: Anton Steeger: „Das goldene Herz-Jesu-Buch“. Verlag Eduard Mager, Donauwörth. Imprimatur 26.03.1909.