Herr, ich liebe die Schönheit Deines Hauses

[…] In jeder Heiligen Messe, die nach der überlieferten Form des Römischen Ritus gefeiert wird, werden diese Worte aus der Heiligen Schrift aus dem Psalm 25 gebetet: „Herr, ich liebe die Schönheit Deines Hauses und den Ort, wo Deine Herrlichkeit wohnt“. Jesus selbst hat einen verzehrenden Eifer für die Würde und Heiligkeit des Tempels Gottes gezeigt, als Er die Händler mit einer Geißel aus dem Tempel mit den Worten hinausgetrieben hatte: „Mein Haus ist ein Haus des Gebetes, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht“ (Lk 19,47). Der Evangelist Johannes fügte dabei noch die Worte über den Tempel des Leibes Christi hinzu. Der Leib Christi, der Eucharistische Leib Christi, ist der eigentliche Tempel Gottes hier auf Erden, der Ort der Herrlichkeit Gottes. So soll auch alles, was den Eucharistischen Leib Christi umgibt, das Kirchengebäude, der Altar, der Tabernakel, die heiligen Gefäße, die heiligen Gewänder, die heiligen Riten und die Musik die Schönheit des Hauses und der Herrlichkeit Gottes wiederspiegeln. Das Bewusstsein von Gottes großer Heiligkeit muss die erste Haltung sein, wenn ein Christ das Gotteshaus betritt und am hl. Messopfer teilnimmt. Aus dieser Haltung müssen dann gleichsam naturgemäß äußere Gesten der Anbetung hervorfließen, wie z.B. Kniebeuge, Schweigen, das alles ist Ausdruck einer tiefen Ehrfurcht.

Das maßgebliche Zeugnis für diese grundlegende Haltung des christlichen Gottesdienstes finden wir im Buch der Geheimen Offenbarung, welche die himmlische Liturgie als das wahre Vorbild des Gottesdienstes auf Erden beschreibt. Das war der Grundsatz und das beständige Merkmal der Liturgie im Laufe von 2000 Jahren. Einer der ältesten Kommentare über das Vaterunser, und zwar vom Ende des 2. Jahrhunderts, spricht davon, dass wir beim Gebet im Gotteshaus in der Liturgie die Engel im Himmel nachahmen sollen: „Die Engel, die den Thron Gottes umgeben, rufen ohne Ende, Heilig, heilig, heilig!‘ Wenn wir also gewürdigt werden wollen, eines Tages Gefährten der Engel zu sein, müssen wir lernen, Gott schon hier auf Erden mit deren himmlischer Stimme zu singen und schon jetzt am Kult der künftigen Herrlichkeit teilzunehmen“ (Tertullian, De oratione, 3,3).

Die äußeren Gesten der Anbetung und Ehrfurcht dürfen in der Liturgie niemals zweitrangig betrachtet werden. Die zutiefst beeindruckenden Beispiele des Benehmens der anbetenden Engel wie sie in der Bibel beschrieben sind (vor allem im Buch Jesaja und der Geheimen Offenbarung) bleiben ein Bezugspunkt für die Art und Weise wie die Kirche auf Erden Gottesdienst hält, wenn sie Gott im Geist und in der Wahrheit (in Christus) anbeten will. […]

Das erste dabei ist dies: innerlich auf Gott und Seine Ehre ausgerichtet sein, auf Sein Antlitz, und Sein Antlitz ist zu sehen letztlich auf dem Antlitz Jesu Christi am Kreuz und im Sakrament der Eucharistie. […]

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns den Eucharistischen Herrn mit Liebe empfangen, in der Reinheit des Herzens, lasst uns mit einer Geste der Anbetung niederknien. Lasst uns den Eucharistischen Herrn empfangen mit einer Geste der Demut und des Kleinseins, indem wir unseren Mund öffnen und den Allerheiligsten, den König des Weltalls, in der kleinen heiligen Hostie empfangen. 0 Herr, wenn wir Dich in der Eucharistie empfangen, dann haben wir alles und es fehlt uns nichts! Amen.

Auszug aus einer Predigt von S.E. Athanasius Schneider am 3. April 2014 in St. Marien zu Herzogenrath

Quelle: Gottesdienstordnung Alte Messe Frankfurt, Deutschordenskirche, Frankfurt, August 2019.