FÁTIMA – Die Verbreitung der Geheimnisse

Am 17. Dezember 1927 ging Lucia zum Tabernakel in der Kapelle des Dorotheen-Hauses in Tuy, um den Heiland zu fragen, wie sie den Auftrag ihres Beichtvaters ausführen  sollte, einige von Gott erhaltene Gnaden aufzuschreiben, wenn dazu auch das Geheimnis gehörte, das ihr die Heilige Jungfrau anvertraut hatte. Mit deutlicher Stimme ließ Jesus sie folgende Worte hören: „Liebe Tochter, schreibe auf, worum man dich bittet; und schreibe auch alles auf, was die Heilige Jungfrau bei der Erscheinung mitgeteilt hat, als sie von dieser Andacht [zum Unbefleckten Herzen Mariens] gesprochen hat. Was den restlichen Teil des Geheimnisses angeht, bewahre  Stillschweigen.“ (1)

Infolge des so erhaltenen Auftrags offenbarte Lucia, was bei der Juni-Erscheinung vorgegangen war.

Als ihr der Bischof von Leiria 1941 Befahl, sich für eine Neuausgabe,  die in Druck gegeben werden sollte, alles weitere ins Gedächtnis zu rufen, was an der Lebensgeschichte Jacintas interessant sein könnte, holte sich die Seherin die Erlaubnis des Himmels ein und offenbarte zwei der drei Teile des Juligeheimnisses.

Dies sind ihre Worte:
„Das Geheimnis besteht aus drei verschiedenen Dingen, von denen ich zwei offenbaren werde.
Das erste war also der Blick in die Hölle.“
Und es folgt dann die Erzählung der zwei Teile des Geheimnisses, wie wir sie an der entsprechenden Stelle beim Bericht über die Juli-Erscheinung wiedergegeben haben. (2)
Was den anderen Teil des Geheimnisses angeht, hat ihn die Seherin zwischen dem 2. und 9. Januar 1944 in Form eines Briefes niedergeschrieben und diesen über den Titularbischof von Curza, Manuel Maria Ferreira da Silva, ihren früheren Beichtvater in Porto, an den Bischof von Leiria, damals José Alves Correia da Silva, geschickt. Die Niederschrift, die nach den Erklärungen Schwester Lucias nicht vor 1960 veröffentlicht werden sollte, wurde dann von Joäao Pereira Venâncio, der damals noch Weihbischof von Leiria war, zur Apostolischen Nuntiatur in Lissabon gebracht.

Von dort brachte sie der damalige Nuntius von Lissabon und spätere Kardinal Fernando Cento in den Vatikan, wo sie am 16. April 1957 eintraf. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Pius XII von dem Dokumenten Kenntnis genommen hat. Es wurde jedoch vom Papst Johannes XXIII. Und Kardinal Alfredo Ottaviani, dem Präfekten der Kongregation vom Heiligen Offizium gelesen. Danach wurde das Dokument im Geheimarchiv des Vatikans abgelegt. (3).

Wir wissen aus sicherer Quelle, dass Schwester Lúcia diesen Teil des Geheimnisses auf drängen des Bischofs von Leiria während einer schweren Krankheit geschrieben hat. (4)

1) Vgl. Memórias e Cartas da Irmã Lúcia, S. 500; Ayres da Fonseca, S. 34.
2) Vgl. Memórias III, S. 216-220; Ayres da Fonseca, D. 43-44; Galamba de Oliveira, S. 146.
3) Vgl. Sebastião Martins dos Reis, Síntese crítica de Fátima, S. 69, und  A Vidente de Fátima dialoga e responde pelas Aparições,  S. 70.
4) Vgl. Walsh, S. 185-186.

Quelle: Fatima – Botschaft der Tragödie oder der Hoffnung? – Antonio Borelli Machado – Hrsg.: Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur (DVCK) e.V. – Frankfurt am Main