Elisabeth Seton 1774  –  1821

15 Jahre alt ist das Mädchen Elisabeth, zweite von drei Töchtern des protestantischen Arztes Dr. Richard Bayley in New York, als am 30. April 1789 George Washington erster Präsident der USA wird. Schon mit drei Jahren verliert Elisabeth ihre Mutter.

Um so mehr ist sie der Sonnenschein ihres Vaters, der in einem wahren Sinn Mutter, Freund und Lehrer für sie wird.

Mit 20 Jahren vermählt sich Elisabeth mit dem Kaufmann William Seton. Die folgenden Jahre verlaufen ruhig im Kreise der neuen Familie und in der Sorge für die fünf Kinder, die Gott schenkt: Anna Maria, William, Richard, Katharina und Rebekka.

Elisabeth wächst auf in der protestantischen Episkopal-Kirche, die noch den Glauben an die Gottheit Jesu Christi bewahrt hat. Sie liest gerne in der Bibel und in der „Nachfolge Christi“ und versucht, ihr Leben danach einzurichten.

 

Im Sommer 1801 bricht im Hafen von New York das Gelbe Fieber aus. Dr. Bayley eilt zu Hilfe, wir selbst angesteckt und ist bald dem Tode nahe. Schon als Heranwachsende sorgt sich die edle Tochter insgeheim um ihren vielgeliebten Vater, weil er zwar viel Gutes tut, seine „Religion“ sich jedoch auf eine natürliche Humanität zu beschränken scheint. Soll er jetzt sterben, ohne Gottes und des Erlösers der Welt zu gedenken? Gerne möchte sie dem Herrn ihr eigenes Leben als Opfer anbieten, damit ihr Vater nicht ohne ein Zeichen des Glaubens und der Reue hinüberginge. Doch ihr eigenes Leben scheint ihr eine zu geringe Gabe dafür zu sein. Doch sieh! Als junge Mutter hat sie ja noch Kostbareres anzubieten! Elisabeth neigt sich über die Wiege, ind der ihre kleine Katharina schläft, nimmt das unschuldige Kind in ihre Arme und bietet Gott das Leben ihres Lieblings für die Rettung des Vaters an.

Das Kind bleibt verschont. Aber Gott antwortet auf Seine Weise: Der sterbende Vater wiederholt mit Zeichen des Glaubens und der Liebe den hl. Namen Jesu, den ihm Elisabeth ins Ohr flüstert. Mehrmals wiederholt er: „Mein Heiland, Jesus, erbarme Dich meiner.“ Ähnliches erlebt die glaubensstarke Frau noch einmal bei ihrem Mann William. Dieser hat inzwischen so grosse Geschäftsverluste erlitten, dass die Familie zu verarmen droht. Auch mit seiner Gesundheit steht es nicht zum Besten. Immerhin nimmt er eine Einladung der Familie Felicci in Livorno an. So fahren sie mit ihrem ältesten Kind, der damals 9-jährigen Anna Maria, nach Italien. Aber dort angekommen, können die Passagiere nicht an Land gehen, sondern müssen sich in das Quarantäne-Lazarett begeben. Für William Seton bedeutet dieser Bescheid fast ein Todesurteil. Zwischen kalten und feuchten Mauern und Brettern sind sie wie in einem Gefängnis. In der Pflege ihres sterbendes Mannes und ihrer leidenden Tochter offenbart Frau Seton einen hohen Adel der Seele und einen unerschütterlichen christlichen Glauben. Ihr Mann hatte inmitten seiner Geschäfte die Religion fast ganz vergessen. Jetzt lernt er von und mit seiner Frau Elisabeth wieder beten.

Bald nach dem Tod des Vaters wird die Witwe selbst schwer krank. Die Familie Felicci in Livorno nimmt sie gastlich auf.  Das Beispiel dieser Familie bewirkt, zusammen mit dem Anruf Gottes, dass sich Elisabeth Seton 1805 für die katholische Kirche entschließt. „Ich bin Sein und Er ist mein!“ fasst sie ihr religiöses Erlebnis zusammen.

Elisabeth braucht diese Taborstunde!  Achtung vor einem persönlichen Gewissensentscheid ist nicht die Stärke ihrer Zeitgenossen. Mit ihrem Übertritt zur katholischen Kirche verschließen sich für sie viele Türen, die ihr bis dahin offengestanden hatten.

Nach einer gewissen auch äußeren Notzeit eröffnet die tapfere Frau 1808 in Baltimore eine Schule für katholische Mädchen. Wer hätte gedacht, dass diese vorbildliche Gattin, die ausgezeichnete Mutter von fünf Kindern und tiefgläubige Konvertitin, jetzt auch noch die geistliche Mutter einer neuen Ordensfamilie für Unterricht und Erziehung werden soll? Am Fest des hl. Vinzenz von Paul legen 1813 die ersten 18 Schwestern der Gemeinschaft ihre Gelübde ab. Die durch sie begründeten Pfarrschulen werden für die Erhaltung und Ausbreitung des katholischen Glaubens in den Vereinigten Staaten von größter Bedeutung.

Ihre zwei Töchter werden im Orden auch ihre geistlichen Töchter. Ihr Sohn Robert wird Erzbischof von Heliopolis, Sohn William ein bekannter Schriftsteller!

Ist es nicht großartig, was Gott durch diese Frau bewirkt? 1911 zählt ihre Gemeinschaft 6.000 Mitglieder, heute sind es gegen 11.000 Schwestern, die sie als ihre Gründerin verehren.

Gedenktag ist der 4. Januar.

Quelle: Jung und Heilig – Wahre Bildnisse – Wilhelm Schamoni – hrsg.: Freundeskreis Maria Goretti e.V., München
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