Die Gnadenstätte Mariaschein bei Teplitz – Tschechien

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Im Jahre 1426 kam es in der Tschechoslowakei zu einer blutigen Schlacht zwischen Hussiten und Katholiken. Die Katholiken wurden geschlagen und bis nach Teplitz in die Gegend der heutigen Wallfahrtskirche zurückgedrängt.  Dort wurden gegen dreihundert Ritter umringt und in heißem Gemetzel geschlagen. Zur Erinnerung an die für den Glauben Gefallenen stellte man an der Unglücksstätte zunächst eine kleine Statue der schmerzhaften Mutter (das heutige Gnadenbild) in einer hohlen Linde auf, in ruhigeren Zeiten erstand hier eine Kapelle.

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So mag es mit dem geschichtlichen Ursprung der Wallfahrt bestellt sein. Dem Volk genügten diese Tatsachen nicht. Es schuf eine Phantasievolle Legende: An der Stelle des heutigen Wallfahrtsortes sollen früher einige von den Hussiten vertriebene Klosterfrauen gelebt haben. Das Gnadenbild sollen diese Ordensschwestern aus ihrem Kloster mitgebracht haben. Die letzte Überlebende von ihnen verbarg das Bild in einer hohlen Linde. Dort blieb es manches Jahr verschollen. Eine Dienstmagd, die mit der Sichel bei der Linde Grünfutter mähte, fand das Bild, und zwar auf diese Wiese: Während sie ihre Arbeit verrichtete, wickelte sich plötzlich eine Schlange um ihren Arm und begann mit hochgereckten Kopf gegen die Linde zu zischen. Ohne des Mädchens Arm verletzt zu haben, ließ sich die Schlange wieder zur Erde fallen und verschwand. Das erschreckte Mädchen erzählte

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seinem Dienstherrn von dem auffallenden Verhalten der Schlange. Da im Volksglauben die Schlange immer als Hüterin verborgener Schätze galt, machte sich der Mann unverzüglich daran, den Platz um die Linde abzusuchen. Statt des erhofften Goldschatzes fand er zu seiner Überraschung im hohlen Stamm der Linde ein Bild der Schmerzhaften Gottesmutter. Dies soll am 8. September 1426 geschehen sein. Das Bild fand rasch die Verehrung des Volkes, das voll Vertrauen zur „Kapelle der Elenden (Betrübten)“ pilgerte und in der Kapelle, die man am Fundort errichtet hatte, die Fürbitte der Himmelskönigin anrief. Auffallende Geschehnisse stärkten das fromme Vertrauen des Volkes. In einer alten Aufzeichnung heißt es: „Da überkam der Blinden das verlorene Augenlicht, und viel andre krankhafte und presshafte (Mit Gebrechen behaftet) Menschen die völlige Gesundheit.”

In den unruhigen Zeiten der Glaubensspaltung wurde Mariaschein zum Sammelpunkt der treugebliebenen Katholiken, besonders als die Wallfahrt 1591 den Jesuiten übergeben worden war. Im Dreißigjährigen Krieg musste das Gnadenbild nicht weniger als fünfmal vor räuberischen Horden in Sicherheit gebracht werden.

Das Wallfahrtsverbot unter Joseph II. traf auch Mariaschein sehr schwer. Alle Votivgeschenke wurden entfernt, die kostbarsten Weihegaben nach Prag abgeführt. Durch den zuständigen Geistlichen, Rektor Kindermann, konnte noch im letzten Augenblick die Zerstörung der Kirche verhindert werden.

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Die 1706 eingeweihte, doppeltürmige Kirche ist von sieben Kapellen umschlossen. Über den Tabernakel des Hauptaltars befindet sich das kleine Bild der schmerzhaften Mutter, die den dornengekrönten Leichnam ihres Sohnes auf den Knien hält. Das Bild ist denkbar anspruchslos und ohne künstlerischen Wert. Ist es nicht bei den meisten Gnadenbildern so? Das unscheinbare erwählt Gott, an das Kleine und Unbedeutende knüpft er gern seine Gnadenerweise. So wird das Gnadenbild von Mariaschein mit vielen anderen Gnadenbildern zu einer stummen Predigt der Demut.

Quelle: Alphons Maria Rathgeber, „Maria wir rufen zu dir“. Verlag Albert Pröpster Kempten, Allgäu, 1960, S. 284.