Die Gläubigen, die in ihrer Nähe lebten, . . .

Die Gläubigen, die in ihrer Nähe lebten, müssen empfunden haben, dass ihnen der Weg zu ihr offenstand, dass die Mutter des Herrn in einem geheimnisvollen Sinne auch ihre Mutter war. Und nicht nur gefühlsmäßig, so etwa, wie eine Frau, deren Sohn gestorben ist, sich denen zuwendet, die ihm wichtig gewesen, sondern von Gott her, wesenhaft, im Sinne einer Ordnung. Auch vollzieht sich das alles nicht künstlich, von einer Idee oder einer Absicht her, sondern als Entfaltung lebendiger Wirklichkeit. Es geschieht so, wie in Maria alles  geschieht: in einer Natürlichkeit, bei der man leicht vergisst, wie ganz übernatürlich sie ist; in  einer ihrer selbst unbewussten Einfalt, in welcher das Unbegreiflich-Große zur Schönheit wird. – Romano Guardini

 

Quelle: Seine Mutter – unsere Schwester – Maria kennenlernen mit Gebeten aus zwei Jahrtausenden – Hrsg.: von Wolfgang Bader – Verlag neue Stadt – München – Zürich – Wien