Der Katechismus über Abtreibung

Babymodell in der elften SchwangerschaftswocheBabymodell in der elften Schwangerschaftswoche

Das menschliche Leben ist vom Augenblick der Empfängnis an absolut zu achten und zu schützen. Schon im ersten Augenblick seines Daseins sind dem menschlichen Wesen die  Rechte der Person zuzuerkennen, darunter das unverletzliche Recht jedes unschuldigen Wesens auf das Leben.

„Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt. (Jer. 1,5)

„Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen“. (Ps. 139, 15)

Seit dem ersten Jahrhundert hat die Kirche  es für moralisch verwerflich erklärt, eine Abtreibung herbeizuführen. Diese Lehre hat sich nicht geändert und ist unveränderlich. Eine direkte, das heißt eine als Zeit oder Mittel gewollte, Abtreibung stellt ein schweres Vergehen gegen das sittliche Gesetz dar:

„Du sollst . . . nicht abtreiben noch ein Neugeborenes töten. (Didaché 2,2).

„Gott, der Herr des Lebens, hat nämlich den  Menschen die hohe Aufgabe der Erhaltung des Lebens übertragen, die auf eine menschenwürdige Weise erfüllt werden muss. Das Leben ist daher von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu schützen. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungswürdige Verbrechen“ (GS* 51,3).

Die formelle Mitwirkung an einer Abtreibung  ist ein schweres Vergehen. Die Kirche ahndet  dieses Vergehen gegen das menschliche Leben  m der Kirchenstrafe der Exkommunikation.  „Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit  erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu“ (CIC**, can. 1398), „so dass sie  von selbst durch Begehen der Straftat eintritt“ (CIC, can. 1314) unter den im Recht vorgesehenen Bedingungen. Die Kirche will dadurch die Barmherzigkeit nicht einengen; sie zeigt aber mit Nachdruck die Schwere des begangenen  Verbrechens und den nicht wieder gutzumachenden schaden auf, der den unschuldig getöteten Kind, seine Eltern und der ganzen Gesellschaft  angetan wird.

Das unveräußerliche Recht jedes unschuldigen Menschen auf das Leben bildet ein grundlegendes Element der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Gesetzgebung.

„Die unveräußerlichen Rechte der Person müssen von der Bürgerlichen Macht anerkannt und geachtet werden; Diese Rechte des Menschen hängen weder von den Eltern ab und stellen auch nicht ein Zugeständnis der Gesellschaft und des Staates dar. Sie gehören der Menschlichen Natur und wurzeln in der Person kraft des Schöpfungsaktes aus dem sie ihren Ursprung genommen hat. Unter diese fundamentalen  Rechte muss man in diesem Zusammenhang zählen:  das Recht auf Leben und auf  leibliche Unversehrtheit jedes menschlichen Wesens vom Augenblick  der Empfängnis an bis zum Tod“ (DnV*** 3).

„In dem Augenblick, in dem ein positives Gesetz  eine Kategorie von Menschen des Schutzes beraubt, den die bürgerliche Gesetzgebung ihnen gewähren muss, leugnet der Staat die Gleichheit aller vor dem  Gesetz. Wenn die Staatsmacht sich nicht in den Dienst der Rechte jedes Bürgers stellt, und in besonderer Weise dessen, am schwächsten ist, dann werden die Grundmauern des Rechtsstaates untergehen . . . Als Folge der Achtung und des Schutzes, die man dem Ungeborenen vom Augenblick seiner Empfängnis an zusichern muss, muss das Gesetz die geeigneten Strafmaßnahmen für jede gewollte Verletzung seiner Rechte vorsehen.“ (DnV 3)

Da der Embryo schon von der Empfängnis an wie eine Person behandelt werden muss, ist er wie jedes andere menschliche Wesen im Rahmen des Möglichen unversehrt zu erhalten, zu pflegen und zu heilen.

Die vorgeburtliche Diagnostik ist sittlich erlaubt, wenn  sie „das Leben und die Unversehrtheit des Embryos und des menschlichen Fötus achtet und auf den Schutz und  die Sorge für den einzelnen Embryo ausgerichtet ist . . .  Aber sie steht in schwerwiegender Weise im Gegensatz zum Moralgesetz, falls sie – je nachdem, wie die Ergebnisse ausfallen – die Möglichkeit in Erwägung zieht,  eine Abtreibung durchzuführen. So darf eine Diagnose . . .  nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein“   (DnV 1,2).

„Eingriffe am menschlichen Embryo müssen unter der  Bedingung als erlaubt angesehen werden, dass sie das Leben und die Unversehrtheit des Embryos achten und für ihn nicht unverhältnismäßige Risiken mit sich bringen, sondern seine Heilung, die Besserung seines  Gesundheitszustandes oder sein individuelles Überleben zum Ziel haben“ (DnV 1,3).

„Es ist unmoralisch, menschliche Embryonen zum Zweck der Verwertung als frei verfügbares „biologisches Material“ herzustellen. (DnV 1,5).

„Einige Versuche in das chromosomale oder das genetische Gut einzugreifen, sind nicht therapeutischer Natur, sondern zielen auf die Produktion menschlicher Wesen, die nach dem Geschlecht oder anderen vorher festgelegten Eigenschaften ausgewählt werden. Diese Manipulationen stehen im Gegensatz zur personalen Würde des menschlichen Wesens, seiner Integrität und seiner Identität“  (DnV 1,6)

* Gaudium et spes
** Codes Iuris Canonici
*** Donum vitae

Quelle: Katechismus der Katholischen Kirche – Oldenbourg
Benno – Paulusverlag – Veritas. Nr. 2270-2275