Dem Gebete muss sich aber die Buße beigesellen

Unserer Bestimmung als wesentlich beschränkte und von einem höheren Sein absolut abhängige Wesen bewusst, wollen wir also vor allem zum Gebete Zuflucht nehmen. Wir wissen aus dem Glauben, wie viel die Macht des schlichten, vertrauensvollen, beharrlichen Gebetes vermag. Keinem anderen frommen Werke wurden jemals von dem Allmächtigen so große, so allgemeine, so feierliche Versprechungen gegeben wie dem Gebete: Bittet, und es wird euch gegeben werden, suchet und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan werden (20). Wahrlich, wahrlich sage ich euch, was ihr in meinem Namen vom Vater begehren werdet, das wird er euch geben (21).

Also sichert das Gebet die Gegenwart Gottes unter den Menschen, wie der göttliche Erlöser es versprochen hat: Wo zwei oder drei Menschen in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (23).

Das Gebet wird sodann gerade die Ursache der von Uns oben angeführten Schwierigkeiten wegräumen, nämlich die unersättliche Habgier nach irdischen Gütern.

Dem Gebete muss sich aber die Buße beigesellen, der Geist der Bußgesinnung und die Ausübung der christlichen Buße. So lehrt es uns der göttliche Meister, dessen erste Predigt ja gerade die Buße betraf: Jesus begann zu predigen und zu sagen: Tuet Buße! (29) Dasselbe lehrt uns auch die gesamte christliche Überlieferung, die ganze Kirchengeschichte: die Gläubigen haben in den großen Bedrängnissen, in den großen Wirren der Christenheit, wenn die Notwendigkeit der Hilfe Gottes besonders groß und dringlich war, sei es spontan oder häufiger noch auf Einladung und nach dem Beispiel ihrer Oberhirten, zu den beiden kräftigsten Waffen des geistlichen Lebens gegriffen, zum Gebet und zur Buße.

 

(20) Matth. 7,7-8.
(21) Joh. 16,23.
(23) Matth. 18,20.
(29) Matth. 4,17.

Aus der Enzyklika „Caritate Christi Compulsi“ (3.5.1932), von Papst Pius XI. in Kathpedia.

 

Anmerkung:
(Lateinischer Text: AAS XXIV [1932] 177-194)
(Quelle: Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII. Deutsche Ausgabe des französischen Originals von P. Cattin O.P. und H. Th. Conus O.P. besorgt von Anton Rohrbasser, Paulus Verlag Freiburg Schweiz 1953, S. 626-645; Imprimatur Friburgi Helv., die 22. maii 1953 L. Weber V. G. Die Nummerierung ist der englischen Fassung http://www.vatican.va/holy_father/pius_xi/encyclicals/documents/hf_p-xi_enc_03051932_caritate-christi-compulsi_en.html angeglichen.)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).