Christus – II

„Christus“ ist das griechische Wort für den hebräischen Ausdruck „Messia“, der „Gesalbter“ bedeutet. Zum Eigennamen Jesu wir es deshalb, weil Jesus die Göttliche Sendung, die „Christus“ bedeutet, vollkommen erfüllt. In Israel wurden nämlich im Namen Gottes die Menschen gesalbt, die vom Herrn für eine erhaltene Sendung geweiht wurden. Das war bei den Königen der Fall, bei den Priestern und in seltenen Fällen bei den Propheten. Vor allem sollte dies der Fall sein beim Messias, den Gott senden würde, um sein Reich endgültig zu errichten. Der Messias sollte durch den Geist des Herrn zugleich König und Priester, aber auch zum Propheten gesalbt werden. Jesus hat in seinen dreifachen Amt als Priester, Prophet und König die messianische Hoffnung Israels erfüllt.

Der Engel verkündete den Hirten die Geburt Jesu, des für Israel verheißenen Messias: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren: er ist der Messias der Herr“ (Lk 2,11). Von Anfang an ist Jesus der, „den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat“ (Joh 10,36), da er im jungfräulichen Schoß Marias als „heilig“ empfangen wurde. Josef wir von Gott aufgefordert, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen – „denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1,20) – , damit Jesus, „der der Christus genannt wird“, von der Frau Josefs als messianischer Nachkomme Davids geboren werde (Mt 1,16).

Die Weihe Jesu zum Messias bekundet seine göttliche Sendung. „Der Name Christus bedeutet den, der salbt, den, der gesalbt wurde, und die Salbung selbst, mit der er gesalbt wurde. Es salbte aber der Vater, gesalbt wurde der Sohn in dem Geiste, der die Salbung ist“ (Irinäus, haer.3,18,3(. Seine ewige messianische Salbung wurde in der Zeit seines Erdenlebens bei seiner Taufe durch Johannes geoffenbart, als ihn Gott salbte „mit dem Heiligen Geist und mit Kraft“ (Apg 10,38), „damit er Israel offenbar würde“ (Joh 1,31) als sein Messias. Seine Werke und seine Worte bekunden, dass er „der Heilige Geist“ ist (Mk 1,24; Joh 6,69; Apg 3,14).

Viele Juden und selbst einzelne Heiden, die ihre Hoffnung teilten, erkannten in Jesus die Grundzüge des messianischen „Davidssohnes“,  auf den er Anspruch hatte, gelten lassen, aber nicht vorbehaltlos, denn dieser Titel war missverständlich, wurde er doch von einem Teil seiner Zeitgenossen allzu menschlich, im Grunde politisch aufgefasst.

Jesus nahm das Glaubensbekenntnis des Petrus, der ihn als Messias anerkannte, entgegen, kündigte aber im Anschluss daran das dem Menschensohn bevorstehende Leiden an. Er offenbarte, dass sein Messiaskönigtum sowohl in seiner göttlichen Herkunft als Menschensohn liege, „der vom Himmel herabgestiegen ist“ (Joh 3,13), als auch in seiner Erlösersendung als leidender Gottesknecht: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28) Darum wird der wahre Sinn seines Königtums erst vom Kreuz herab kundgetan. Erst nach seines Auferstehung kann sein Messiaskönigtum von Petrus vor dem Gottesvolk verkündet werden: „Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“ (Apg 2,36).

Quelle: Katechismus der Katholischen Kirche – Oldenbourg   –   Benno   –   Paulusverlag   –   Veritas 1993