Betrachtung zum 4. Gesätz vom freudenreichen Rosenkranz

Jesus, den du, o Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast

von Msgr. Dr. Florian Kolfhaus

„Adam und Eva haben die Welt um einen Apfel verkauft.
Mein Sohn und ich haben die Welt gleichsam mit einem Herzen erlöst.“
(hl. Brigitta von Schweden)

Am 40. Tag nach der Geburt bringt Maria ihren Sohn – wie es das Gesetz des Moses vorschreibt – in den Tempel. Er, der als Säugling in den Armen der Jungfrau ruht, ist es, der am Sinai gesprochen hat. Jetzt aber kommt er – als ein Glied des auserwählten Volkes – um vollkommen zu erfüllen, was Israel aufgetragen ist. „Geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ (Gal 4, 4) beginnt der Herr seine irdische Mission im Jerusalemer Heiligtum „damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4, 4). Nicht er wird als Erstgeborener freigekauft, sondern wir. Nicht das Opfer von Tieren macht uns zu Kindern Gottes, sondern die Hingabe jener beiden,  deren Unschuld und Reinheit die zwei jungen Tauben (vgl. Lk 2, 24), die Gabe der Armen (vgl. Lev 12, 8), versinnbildlichen. Was Jesus kommt auf den Armen seiner Mutter in den Tempel, nicht um irgendein Opfer darzubringen, sondern sich selbst. Er ist das Lamm, das die Mutter zum Altar trägt. Was hier im Tempel unter dem Schleier des kultischen Gesetzes geschieht, wird an jenem Tag offenbar werden, an dem eben dieser Vorhang mitten entzwei reißen wird (vgl. Mt 27, 51). Dann wird sich Jesus als der wahre Sohn Abrahams zeigen, bei dessen Opfer der Mutter kein Engel zu Hilfen eilen wird, um sein Leben zu retten (vgl. Gen 22, 11-12). Dann wird der Sohn uns zu Söhnen machen.

Jesus hat keinen leiblichen Vater. Sein Fleisch ist das Fleisch Mariens. Sein Gesicht trägt ihre Züge. Der, den sie im Tempel aufopfert, ähnelt mehr als jedes andere menschliche Kind seiner Mutter. Die „Opfergabe des Leibes Jesu Christi“ (Hebr 10, 10), durch die wir gerettet sind, gehört Maria. Sie schenkt Jesus, ihr „Fleisch und Blut“, damit ich ihm ähnlich werde, damit auch ich ihr Kind bin. So spiegelt sich in den vielen Gesichtern der Brüder und Schwestern Jesu, die am Kreuz zu Gottes Familie geworden sind, immer auch das Bild Mariens, das liebevolle Antlitz der Mutter.

———-

Anmerkung

Als Anregung und Vertiefung (des Rosenkranzgebets) veröffentlicht CNA – mit freundlicher Genehmigung von Msgr. Dr. Florian Kolfhaus – dazu in Auszügen seine Betrachtung zu den Rosenkranzgeheimnissen aus dem Buch: „Der Rosenkranz – Theologie auf Knien“, erschienen im Dominus-Verlag, Augsburg.

Quelle:

https://de.catholicnewsagency.com/article/die-geheimnisse-des-rosenkranzes-zum-mitbeten-am-ende-des-fatima-jahres-0164