Beharrliche Ausdauer

Dem ständig auf Granit fallenden Wassertropfen gelingt es, diesen auszuhöhlen, aber was ist schon ein kleiner Wassertropfen? Welche Kraft besitzt er, um ein solches Werk zu vollbringen? Der Wassertropfen braucht dazu nur Zeit; so bist auch du angewiesen auf die Beharrlichkeit.
Beharrlichkeit im Guten ist nötig! Das menschliche Geschöpf hat das natürliche Gleichgewicht, in dem es erschaffen wurde, zerstört und ist durch die Erbsünde Gegenstand beständiger Veränderungen des Verhaltens und unaufhörlicher Verwandlungen des Temperaments geworden.
Es gleicht dem Wind, der bald aus Osten, bald aus Westen weht. Dieser menschlichen, zerbrechlichen, wandelbaren Natur muß ein Element der Festigung des Gleichgewichtes eingefügt werden, sonst vermag sie nichts Gutes hervorzubringen, sondern nur wilde bittere Früchte. Dieses höhere, sichernde Element ist die göttliche Gnade; sie enthält das überaus wichtige Geschenk der Beharrlichkeit, eine wesentliche Gabe, ohne die das ewige Heil in Frage steht.
Die Kenntnis des Guten, der Wunsch danach genügen nicht, die Beharrlichkeit im Guten ist nötig. Wie viele sind nach ihren ersten Schritten auf dem Weg zur Vollkommenheit stehengeblieben? Wie viele sind auf halbem Weg ausgeglitten? Wie viele waren nicht imstande, dem Endziel nahe weiterzuschreiten und haben damit ihre Verzichte, ihre Opfer, ihre Leiden aufs Spiel gesetzt oder alles verloren, weil sie nicht auszuharren vermochten?

Quelle: Nicht ich, meine Söhne, habe diese Stunde gewollt – Offenbarungen Jesu an Priester und Gläubige – durch Msgr.: Ottaio Michelini – Werk der Barmherzigen Liebe – CH-6075 Grossteil OW – Schweiz

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