Aschermittwoch – Fastenzeit

Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Bußzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Vierzig Tage strömte der Regen der strafenden und sühnenden Sintflut, vierzig Jahre ist das Volk des alten Bundes durch die Wüste gezogen, um das Land der Verheißung geläutert betreten zu können. Vierzig Tage verbrachte Moses auf dem Berg, um Gottes Gebote entgegenzunehmen. Vierzig Tage wanderte Elias fastend und betend durch die Wüste, bis er am Horeb Gott in geheimnisvoller Weise erfahren durfte. Vierzig Tage fastete Jesus in der Wüste, widerstand den Versuchungen Satans.

So bereiten auch wir uns alljährlich 40 Tage lang vor auf die große Osterfeier der Kirche, um Tod und Auferstehung des Herrn würdig zu feiern.

Im Folgenden ein Auszug aus einer Aschermittwochspredigt von Papst emer. Benedikt XVI. aus dem Jahre 2006:

»Ein […] symbolischer Ritus, der ausschließlich am ersten Tag der Fastenzeit stattfindet, ist das Auflegen der Asche. Was ist seine eigentliche Bedeutung? Sicher handelt es sich nicht um reinen Ritualismus, sondern um etwas sehr Tiefes, das unser Herz berührt. Es macht uns die Aktualität der Mahnung des Propheten Joel verständlich, die in der ersten Lesung erklungen ist; eine Mahnung, die auch für uns ihre heilsame Gültigkeit behält: Den äußeren Gesten muss immer die Aufrichtigkeit des Herzens und die Folgerichtigkeit der Werke entsprechen. Was nützt es denn – fragt sich der inspirierte Autor –, die Kleider zu zerreißen, wenn das Herz fern vom Herrn ist, das heißt vom Guten und von der Gerechtigkeit? Das ist es, was wirklich zählt: die Umkehr zu Gott mit wahrhaft reumütigem Herzen, um sein Erbarmen zu finden (vgl. Joel 2,12–18). Ein neues Herz und einen neuen Geist: Das erbitten wir in dem Bußpsalm schlechthin, dem „Miserere“, den wir heute mit dem Kehrvers „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld“ singen. Der wahre Glaubende weiß, dass er ein Sünder ist, und ersehnt aufrichtig – mit Geist, Seele und Leib – die göttliche Vergebung als eine Neuschöpfung, die ihm Freude und Hoffnung wiedergeben kann (vgl. Ps 51,3.5.12.14).

Ein weiterer Aspekt der Spiritualität der Fastenzeit ist der – wir könnten sagen – „kämpferische“.  Er tritt im Tagesgebet (der Novus Ordo Messe) hervor, wo von „Waffen“ der Buße und vom „Kampf“ mit dem Bösen die Rede ist. Jeden Tag, besonders aber in der Fastenzeit, muss der Christ einen Kampf bestehen, der dem gleicht, den Christus in der Wüste von Judäa durchgestanden hat, wo er vierzig Tage lang vom Teufel versucht wurde, und in Getsemani, als er die schwerste Versuchung zurückwies und den Willen des Vaters bis zum letzten annahm. Es geht um einen

geistlichen Kampf, der gegen die Sünde und letztlich gegen den Satan gerichtet ist. Es ist ein Kampf, der die ganze Person einbezieht und ständig aufmerksame Wachsamkeit erfordert. Der hl. Augustinus bemerkt, dass derjenige, der in der Liebe Gottes und in seiner Barmherzigkeit wandeln will, sich nicht mit der Befreiung von schweren Sünden und Todsünden begnügen darf, sondern »die Wahrheit tut, indem er auch die Sünden erkennt, die als weniger schwer betrachtet werden … und er kommt ans Licht, indem er gute Werke vollbringt. Auch die weniger schweren Sünden verbreiten sich und führen zum Tod, wenn sie vernachlässigt werden« (vgl. in Joh 12.13,35).

Die Fastenzeit erinnert uns also daran, dass das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die „Waffen“ des Gebets, des Fastens und der Buße eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Hass bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der asketische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit. Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, dass diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muss, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Hass, ebenso wenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Hass mit der Liebe zu begegnen. In der Enzyklika „Deus caritas est“ wollte ich diese Liebe als das Geheimnis unserer persönlichen und kirchlichen Umkehr vorstellen. Mit dem Hinweis auf die Worte des Paulus an die Korinther „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14) betonte ich: „Die Erkenntnis, dass in ihm Gott selbst sich für uns verschenkt hat bis in den Tod hinein, muss uns dazu bringen, nicht mehr für uns selber zu leben, sondern für ihn und mit ihm für die anderen“ (Nr. 33).