Als Jesus seine Mutter sah

Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger,
den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe,
dein Sohn! (Joh. 19, 26)

Maria hat sich ganz Gott geschenkt, nicht nur das, sie hat Jesus gegeben, freigegeben für seine Sendung. Sie hat sich von allem befreit, was auch nur im geringsten ein affektiver Besitzanspruch hätte sein können oder ein Gefühl der Überlegenheit. Deshalb erhält sie – wie Lukas berichtet – die Urgemeinde zum Geschenk (vgl. Apg 1, 14 ff).
Da sie ihren Sohn hingab für die Menschen, empfing sie in Johannes andere Söhne. Sie öffnete ihr Herz, um uns Mutter zu sein. Maria hätte nie dieses mühselige Ringen erwartet, Mutter zu sein und sich vom Sohn trennen, ihn den Händen der Menschen überlassen zu müssen, damit sich in ihm die Liebe Gottes bekunde. Sie hätte nie gedacht, dass die Liebe Gottes zu den Menschen so groß ist, dass sie ihren Sohn dahingeben muss und er auf diese Weise zu leiden hätte. Maria lernt in ihrem Leben, dass die Liebe Gottes zu den Menschen grenzenlos ist. – Carlo Maria Martini

Quelle: Seine Mutter – unsere Schwester – Maria kennenlernen mit Gebeten aus zwei Jahrtausenden – Hrsg.: von Wolfgang Bader – Verlag neue Stadt – München – Zürich – Wien