Allgegenwart Gottes

Gott ist ja in allem und überall; es gibt keinen Ort und kein Ding wo er nicht wirklich gegenwärtig wäre. Wohin die Vögel auch fliegen, sie finden ihr Element, die Luft, in der sie sich bewegen; so finden auch wir, wohin immer wir gehen mögen, Gott überall gegenwärtig, Jeder kennt diese Wahrheit, aber wie viele gibt es, die sie wirklich erfassen? Blinde sehen den Fürsten nicht, der vor ihnen steht, aber sie nehmen eine ehrfürchtige Haltung an, wenn man ihnen sagt. Daß er zugegen ist. Da sie ihn aber nicht sehen, vergessen sie leicht auf seine Gegenwart und lassen sich dann auch in der Haltung gehen. Wir sehen den allgegenwärtigen Gott nicht; obwohl uns der Glaube dessen versichert, vergessen wir auf seine Gegenwart oft und benehmen uns, als wäre Gott weit entfernt von uns. Denn obwohl wir Gott überall gegenwärtig wissen, denken wir nicht daran und tun, als wüßten wir es nicht.

Deshalb müssen wir vor dem Gebet in unserer Seele das Bewußtsein der göttlichen Gegenwart erneuern. David verstand das, als er ausrief: „Steig ich zum Himmel hinauf, so bist Du dort, mein Gott; steige ich hinab zur Hölle, so bist Du auch dort“ (Ps 139,8). Machen wir uns die Worte Jakobs zu eigen: „Wie erschütternd ernst ist dieser Ort! Wahrhaftig, Gott ist hier, und ich wußte es nicht“ (Gen 28,16 ff). Er wollte sagen, daß er nicht daran dachte. Wenn du dich also zu beten anschickst, dann sag von ganzen Herzen zu deiner Seele: Wahrhaftig, Gott ist hier.  –  DA 1,73 f.

Quelle: Jeden Tag mit Gott – Franz-Sales-Verlag – Hrgs.: Herbert Winklehner – Seite: 142.