Allein Maria kann noch helfen

Ist es nicht endlich Zeit, dass wir für die Bedeutung Mariens hellhörig werden? Wenn wir da anfangen, wo auch Gott selbst anfing, als er uns die Erlösung brachte: bei Maria?! Dass wir da anfangen, wo angefangen werden muss, wenn wir noch das Unglück parieren wollen. Erinnern wir uns nicht an das Wort Pius‘ X.: «Dass dem Frühling in Christus stets ein marianischer Frühling vorausgehen müsse?» (Ad diem illum, 1904). Und dass Pius XII. in ernster Stunde der Menschheit bei seiner Fatima-Ansprache durch den Rundfunk 1942 sagte: «Dass Maria allein noch helfen kann?» 
Wieso, werden viele fragen. Was hat Maria eine Frau mit den grauenhaften Abgründen der Politik und den großen Auseinandersetzungen der Völker zu tun? Was bedeutet sie, ihr Sein und ihre Botschaft, gegenüber den geballten Kräften des schier unbarmherzigen Weltgeschehens, das mit brutaler und unbeirrbarer Macht seinen Ablauf sucht? Ist das Wort eines Pius XII. nicht weit übertrieben, ist es nicht der Standpunkt eines Mannes, der an den realen Tatsachen vorbeisieht?
Nun, wir werden diesen Standpunkt des obersten Pontifex nie verstehen, wenn wir uns nicht mit ihm klar werden, welche Einflüsse wirklich diese Welt bewegen. Wenn wir nicht mit Pius XII. die wahren Hintergründe der Weltgeschichte begreifen lernen. Wir werden hierbei überraschende Beobachtungen machen. Schon Leo XIII. und dann Pius X. haben sich — der letztere in seiner großen Enzyklika «Ad diem illum», die dem 50. Jubiläum des Dogmas der «Unbefleckten Empfängnis» galt — klar und deutlich auf einen Mann berufen, der die großen Kämpfe dieser Welt als den gewaltigen Widerstreit zwischen den satanischen und übernatürlichen Kräften erfasst hat, auf Grignion von Montfort. Er hat die außergewöhnliche Bedeutung Mariens im Geschehen der Welt erkannt. Es ist mit Recht festgestellt worden, dass das bedeutsame Rundschreiben Pius‘ X. vom Geiste ebendieses Mannes, von Grignion von Montfort, durchsetzt ist. «Grignions Mariengeheimnis … erhebt die Gestalt Mariens zu einer unentbehrlichen und unübertrefflichen Bildungsmacht in der Christusgestaltung der Welt», so schreibt Heinrich Maria Köster («Die Magd des Herrn», 1. Auflage 1947, S. 54f.). Er betont, dass Leo XIII. und Pius X. schon vor vielen Jahrzehnten begonnen haben, in groß angelegten Lehrschreiben den gleichen Gedanken auf die Gesamtkirche anzuwenden. «Dies geschieht mit deutlichem Blick auf die vorausfühlenden und herannahenden geistig-politischen Umwälzungen und rückt das Bemühen in die weltgeschichtlichen Maße, die Grignion dem ,Geheimnis Mariens‘ voraussagt» (ebenda S. 54).!

Quelle: Johannes Maria Höcht:
„Fatima und Pius XII. – Maria Schützerin des Abendlandes“. Credo-Verlag
Wiesbaden, 1959