Ruhe auf der Flucht


Die Flucht der hl. Familie nach Ägypten wird bei Lukas (2,14) erwähnt, in apokryphen Schriften und der Legenda Aurea ausführlicher beschrieben und gehört zu den Sieben Schmerzen Mariens. Auf dem Bild sieht man genau in der Mittelachse Maria sitzen, das Kind auf ihrem Schoß. So ist sie selbst der Thron Gottes, Thron der Weisheit. Das Rot ihres Kleides steht für Liebe, das Blau des Umhangs für Himmel und Reinheit. Das Kind hält eine Weintraube als Hinweis auf die Eucharistie und das Opfer Jesu, da aus den Früchten der Trauben der Wein und aus dem Wein das Blut Christi wird. In einer Rasenleiste am unteren Bildrand kann man auch eine blühende Erdbeere erkennen, deren dreiteilige Blätter auf die Trinität verweisen und die roten Früchte auf die Passion Christi. Der hl. Joseph schlägt von einem Baum Früchte. Der Maler setzte die Dattelpalme des Orients zu einer Esskastanie um, passend zum Ambiente der Heimat des Malers.

Genial vermittelt der Maler die „Ruhe“ des Bildtitels mit den Farbtönen blau und grünblau. Er hat ein Andachtsbild mit möglichst wenig Bewegung geschaffen. 

Das Bild ist späte Spätgotik. Es hat keinen Goldhintergrund mehr, sondern der Himmel ist schon blau. Das Kind ist nicht symbolhaft vergrößert sondern realistisch klein. Das Bild ist noch keine Frührenaissance. Im Bild gibt es noch keine realistische Perspektive. Die Verkleinerungen im den Hintergrund sind noch sehr extrem. Nach diesen wenigen Kriterien kann man das Bild in den Anfang des 16. Jahrhunderts datieren.

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